Leben mit Silber

Duftes-Silber
Aromata - Kostbares Silber für erlesene Düfte


Die Geschichte der Düfte ist eng verbunden mit unserer Kultur- und Sittengeschichte. Überall und zu allen Zeiten spielten Düfte eine wichtige Rolle - im religiösen, kultischen, wie spirituellen, im therapeutischen und pharmazeutischen, im luxuriösen, wie modischen Sinne. Per fumum - durch Rauch sollten beim Gebet die Götter gnädig gestimmt werden, da die Menschen Wohlgeruch mit Leben und göttlicher Emanation verbanden, das Böse, die Krankheit und der Tod jedoch mit Gestank. Sowohl Geschichte als auch Geschichten von und über Düfte sind umfangreich, hoch interessant und füllen viele Bücher. Da erfahren wir von den alten Ägyptern, die bereits Meister in der Kunst der Herstellung von Ölen und Salben waren, die nicht nur üppig dufteten, sondern auch die Fähigkeit der Konservierung besaßen, vom antiken Rom, wo die Bürger aller Schichten duftende Essenzen in einfachen oder wertvollen Behältern mit sich trugen, der Heiligen Hildegard von Bingen (1098-1179), die um dieDufturne Heilkraft von aromatischen Pflanzen wusste und Lavendel als Läuse vernichtend und wirksam gegen Dämonen empfahl. Die Berührung mit der arabischen Kultur durch die Kreuzzüge, bescherte Europa im hohen Mittelalter orientalische Gewürze, geheimnisvolle, neue Düfte und das Wissen um die Destillierkunst. Man liest vom Luxus und dem verschwenderischem Gebrauch von kostbarsten Duftessenzen am Hof Ludwig XIV, aber auch von mangelnder Körperhygiene, dem bestialischen Gestank der großen Städte und der Angst vor dem schwarzen Tod. Marie Antoinette liebte Maiglöckchen-Duft, Napoleon Bonaparte verbrauchte große Mengen Eau de Cologne. Wir hören von Pierre-Francois Guerlain, wie er seine bis heute unvergesslichen Parfüms zur Zeit der Belle Époque kreierte und lernen, dass es für einen Liter Rosenöl fünf Tonnen Rosenblätter bedarf. Die Geschichte der Düfte ist aber auch die Geschichte ihrer Behältnisse, der Flaschen, Duftkugeln, Dosen und Flakons. Sie waren aus Ton und Bronze, Glas und Porzellan, Stein, Holz und Elfenbein, Gold und - das ist unser Thema - aus Silber. Nicht unähnlich den Behältern, die bereits die Römer als „duftenden Schmuck" trugen, wurden im Mittelalter durchbrochen gearbeitete Silberkugeln, die mit aus Weihrauch, Moschus, Myrre, Muskat und anderen Gewürzen geformten „Pomum ambrae" gefüllt waren, in Seuchenzeiten mitgeführt, um die pestilenzialische Luft zu reinigen. Aus diesem „therapeutischen" Utensil ging allmählich ein Modeartikel hervor, der Pomander. Der wertvollste Duftstoff dieser Zeit was das Pisam oder Bisam, eine feste tierische Masse, die heute als Moschus (von der Drüse des Moschushirsches) bekannt ist. Nach der Form und dem entsprechenden Inhalt bezeichnete man diese Duftbehälter auch als Duft – oder Bisamapfel. In den großen Reichsstädten Europas, die mit dem Orient regen Handel trieben, blühte die Parfümier-Kunst, die bis ins 18. Jahrhundert meist den Apothekern oblag. Gold-und Silberschmiede schufen, fast immer im Auftrag und als persönliche Einzelstücke, die schönsten und kostbarsten Behältnisse dafür, da diese inzwischen auch zum Statussymbol für die große Damen und Herren avancierten.

So ein schön gearbeitetes Duftgefäß ist der hier gezeigte Pomander als Birnenzweig mit drei Duftbehältern, der um 1720 entstand. Die „Birne" ist eine Silberdrechselarbeit, mit einer Verzierung, die an das Geflecht von Weidenkörben erinnert. Kleine, symmetrisch runde Objekte konnten nur mit einer Silberdrechselmaschine, einer Drehbank, wie man schon seit dem 15. Jahrhundert kannte, in Perfektion hergestellt werden. Die Muster kamen durch geometrisch geformte Patronen zustande, die auf die sich drehende Spindel aufgesteckt wurden. Durch Abtasten dieser Patrone wurde auf der RiechflaeschchenOberfläche des runden Silberobjektes ein Muster erzeugt. Zur Arbeit der Silberdrechsler gehörte auch das Gewindeschneiden und viele Gefäße sind daher auch mehrfach aufschraubbar. In den Fächern waren Duftbalsam, Duftpulver und getränkte Schwämme untergebracht. Da silbergedrechselte Arbeiten nicht gemarkt werden mussten, kann nur schwer eine Zuordnung zu Stadt oder Meister erfolgen. In Deutschland wurde in allen großen Gold- und Silberschmiedezentren wie Augsburg, Nürnberg und Regensburg Silber gedrechselt. Im Standartwerk über Augsburger Silber von Wolfgang Seling werden allein hier 52 Silberdrechsler erwähnt.


Das Ei
als Duftgefäß ist eine Weiterentwicklung des Pomanders zur Riechdose oder Vinaigrette. Das glatt gedrechselte Ei war die Grundform im Herstellungsprozess. Viele wurden später verziert (Patrone, Gravur etc.), mache blieben glatt und wurden vergoldet, wie unserer hier gezeigtes Vermeil – Ei, das aus Deutschland aus der Zeit um 1750 stammt. Es hat, wie die meisten Pomander eine Anhängeöse und war, wie üblich mit einem Duftschwamm bestückt. Gedrechselte Riechgefäße gibt es in vielen Formen, wie flache Dosen, Herzen, Eier, Urnen oder Vasen.

Im 18. Jahrhundert war der Gebrauch von Pestessig sehr verbreitet. Dieser stechende „Duft" benötigte einen gut schließenden Behälter, der nur bei Bedarf geöffnet wurde, so genannte Vinaigrettes (vinaigre, französisch für Essig). Vinaigrettes in kleinen und kleinsten silbernen oder goldenen Kästchen waren vor allem im England des 19. Jahrhunderts die große Mode. Klappt man den Deckel auf, kommt ein verzierter Zwischendeckel in feinster Durchbrucharbeit zum Vorschein, der die Kammer mit dem Essigschwämmchen abschießt. Das Silber musste innen vergoldet sein, da sonst der Essig das Metall angegriffen hätte. Unsere gezeigte englische Vinaigrette stammt aus Birmingham von 1831 und misst gerade mal drei Zentimeter.

Eine Besonderheit in unserem Riechdosen- Potpourie ist die norddeutsche Riechdose in Vasenform. In Norddeutschland und Teilen von Dänemark nahmen die Riechdosen eine ganz eigene, landestypischeOdiot-Flakon Entwicklung. Man hatte Herzen, Krüge, Urnen, Vasen und ganz kurios - Riechdosen als Fische. Sie entstanden in der Zeit von 1740 bis 1840 und wurden gerne als Brautgeschenke vergeben. Auch hier waren im Korpus Duftschwämme untergebracht. Hatte die Dose einen Fuß, lässt sich auch dieser aufklappen und bot Platz für Duftbalsam oder Schönheitspflästerchen. Diese Riechdosen waren eine Art kleiner transportabler Hausapotheken, die man nicht nur zur Vertreibung unangenehmer Gerüche verwendete, sondern auch bei Unpässlichkeiten schnell zur Hand hatte. „Nachbarin! Euer Fläschchen", Gretchens Ruf in Goethes Faust ist wohl das bekannteste Zitat für die Anwendung von Riechdosen bei Ohnmachten. Typisch für die späteren Dosen um 1830/40 waren die Verzierungen aus Besatz mit bunten, facettierten Glasflüssen als Blütenornamente, wie man sie auch beim Schmuck und auf Löffeln aus dieser Gegend kennt.

Mit der Einführung der alkoholischen Lösungen, und damit dem Übergang von festen zu flüssigen Duftessenzen, findet auch eine Entwicklung von der Riechdose zur Parfümflasche statt. Kleine Riechfläschchen wie zum Beispiel der Biedermeierflakon in Vasenform um 1840, der seine Verschlusskappe mit einem Kettchen an sich bindet, oder der spätere russische Riech- und Parfümflakon aus Kostroma von 1896/1908 im Niellodekor, der mit Kette und „Knopf" an Kleidung oder Gürtel gehängt wurde. Mit der industriellen Produktion von Parfüms, begann der Siegeszug der Glasflaschen, die jetzt in Serien hergestellt wurden. Berühmte französische Glaskünstler wie Gallé und Lalique schufen kunstvolle Flakons, aber auch die Gold- und Silberschmiede veredelten mit viel Fantasie GlasflakonsGlasflaschen mit aufwändigen Deckeln, Montierungen und Silberfassungen. Unsere Beispiele: Der englische Flakon mit Silbermontierung und einem Verschluss aus Schildpatt und Silber von 1921 und die Art Deco Toilettengarnitur aus Wien um 1935 mit fein guillochierten Silberdeckeln, sowie ein edler Flakon mit raffinierter Silbermontierung von Odiot Paris um 1890.

Zum Schluss sei noch von einer ganz anderen Art der „Beduftung" die Rede - den Räuchergefäßen und Parfümbrennern, die im religiösen, wie im profanen Leben ihre Bedeutung hatten und haben, denken wir nur an die prächtigen Silberampeln, mit denen wir auch heute noch unsere Kirchen und Gotteshäuser in mystischen Weihrauchduft hüllen. Im weltlichen Leben parfümierte man damit die Zimmer, die Wäsche und die Garderobe. Ein besonderes Beispiel ist der große Silber - „Sahumador"  aus Peru aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es zeigt eine Andenhirschkuh mit ihrem Kalb. Obwohl die indianischen Hochkulturen Amerikas bereits kultische Räuchergefäße verwendeten, hat die hier gezeigte Form ihren Ursprung in der alten Welt. Die islamischen Eroberer aus dem Orient hatten Räuchergefäße in Form von Pfannen, Vasen und vor allem vonAndenhirsch Tieren auf die iberische Halbinsel mitgebracht. Mit den spanischen Konquistadoren kamen diese dann nach Südamerika. Die „Sahumadores" wurden mit glühenden Holzkohlestückchen gefüllt, auf die man Duftstoffe wie Lavendel, Patschuli, Heliotrop, etc. streute. Die vornehmen Peruanerinnen hatten lebensgroße Puppen aus Weidenholz, über die sie vor dem Ausgehen ihre Kleider hängten und darunter diese Duftgefäße stellten. Der wohlriechende Rauch durchdrang die Kleidung und beseitigte so den Körpergeruch und wohl auch das eine oder andere Ungeziefer.

Aromata und Flacons sind ein wunderbares Sammelgebiet. Große, bedeutende Sammlungen in vielen europäischen Museen, wie zum Beispiel die berühmte Sammlung „Schwarzkopf", dokumentieren dies eindrucksvoll. Aus den Büchern und Katalogen über diese Sammlungen habe ich viel über Düfte und ihre Behältnisse gelernt - und in diesem Artikel verwendet.

Aromata- diese kleinen Kunstwerke mit historischem Hintergrund begeistern fast jeden Silberliebhaber. Egal ob Sie etwas für Ihre Sammlung suchen, eine anfangen möchten, „nur" ein schönes Silberobjekt in Ihr Bad oder auf den Nachtisch stellen oder, wie es ursprünglich war, eines dieser Aromata als ausgefallenes Schmuckstück bei sich tragen möchten - lassen auch Sie sich begeistern.

 



Quellen:
"Aromata – Düfte und edle Flakons" von Meinighaus/Haberich, Arnoldsche Art Publishers
"Parfüm und Flakons – Aus der Sammlung Schwarzkopf und europäischen Museen" von Edmund Launert
"Silberschätze aus Südamerika 1700-1900", Katalog Ausstellung im Staatlichen Museum für Völkerkunde in München

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