Leben mit Silber

Perdesilber-braun

Glücklich mit Pferd und Silber


Es begann, als meine Eltern, sehr in Anspruch genommen durch den Bau unseres Hauses, nicht wie üblich mit uns Kindern in den großen Ferien verreisen konnten und uns den Sommer auf einen Jugend-Reiterhof in Tirol „verräumten". Oben auf dem Berg wurde geschlafen und gespielt, unten im Tal auf gutmütigen Haflingern das Reiten gelernt. Das war der Beginn der Liebe zu den Pferden und die Leidenschaft zum Reitsport, die uns, meine Schwester und mich, ein Leben lang begleiten sollten. Ich wollte ein Pferd zum Spazierenreiten und betüteln, meine Schwester, begabt und ehrgeizig, ritt erfolgreich Turniere. Inzwischen habe ich das sehr zeitaufwändige Hobby aufgegeben, meine Schwester hingegen ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und reitetEtui-Pferd-Windhund-detail2 Kopie und lehrt im eigenen Dressurstall in Arizona. (Ich schrieb darüber im Magazin „Silber goes Wild West"). Unverändert geblieben ist uns beiden die Liebe und die Achtung für ein wundervolles Tier, das Verständnis, Schutz und Fürsprache braucht – nicht zuletzt vor allzu egoistischen Reitern. Die Silberstücke, die bei meiner Schwester stehen, sind vornehmlich Trophäen – Pokale, Becher, Schalen – Preise für Dressurerfolge, aber auch Geschenke der „Silberschwester" aus Deutschland, wie Silberrahmen, Flachmann oder englische Stiefelanzieher sind hier zu finden. Bei mir zu Hause stehen Etuis, Pillendöschen und Brieföffner mit schönen Pferdedarstellungen, passend zu den alten, englischen Pferdestichen an den Wänden. Kein Wunder, dass ich  immer mal ein Thema „Pferd" in meinem Magazin verwirklichen wollte – und so sammele ich seit über einem Jahr „Pferdesilber". Nicht ganz einfach, denn es ist selten! Dennoch kann ich Ihnen hier  gut ein Dutzend Silberobjekte für oder mit Pferd vorstellen: Da sind zum Beispiel die wunderbaren Emailmalereien auf Dosen und Zigarettenetuis, die zu den begehrten Sammelobjekten gehören. Im Ranking der höchsten Preise für Emailetuis stehen an erster Stelle erotische Darstellungen, gefolgt von Hunde – und Jagdmotiven und an dritter Stelle kommen schon die Pferdedarstellungen. Unsere beiden Etuis wurden in Deutschland gefertigt, das eine mit einer Pferdekopfplakette in brillanten Farben, umrahmt von einem Reitgerte-lifeguillochiertem Silberkranz, das andere, eine seltene Grisaille-Malerei, die, ganz und gar nicht alltäglich, Pferd und Hund gemeinsam zeigt. Beide Emailbilder sind perfekt erhalten und von feinster Qualität. Ebenfalls eine Emailplakette ziert die hohe Dose im Rillendekor. Ursprünglich als Tischdose für Zigaretten/Zigarillos gedacht, ist sie, wie ich finde, vielseitig einsetzbar - von Toilettendose bis Bonboniere. Die Dose ist innen mit einer feinen Holzschicht ausgekleidet. Anders jedoch als viele Dosen, die aus Holz mit einem dünnen Silberblech gearbeitet wurden, ist es hier umgekehrt. Die Dose ist aus massivem Silber, mit Silberboden und ungefüttertem Deckel und die Auskleidung ist hauchdünn. So entspricht das Gesamtgewicht von rund 300 Gramm auch fast dem tatsächlichen Silbergewicht. Hohe Punktzahlen für Stil im Dressurviereck würden sicherlich die beiden Reitgerten mit Silberknauf bekommen. Sie stammen aus Paris um 1880, die eine aus Weißsilber mit einer umkränzten Kartusche, die zweite mit einem vergoldeten Knauf. Zu den ausgefallenen und seltenen Stücken gehören die Silbersporen aus den 20er Jahren. Zu dieser Zeit gab es Reitstiefel, deren Absätze eine Ausbuchtung hatten, in die die Sporen gesteckt wurden und so genau am richtigen Platz saßen. Wie ich hörte, werdenZigarrenkiste-versilbert-detail1 diese Art Stiefel seit kurzem wieder neu aufgelegt. Eine andere Möglichkeit wäre, sich vom Schuster eine dementsprechende Vorrichtung in den Stiefelabsatz machen zu lassen. Als Horst Stern sein berühmtes Buch der Erfolgs-Reitlehre "So verdient man sich die Sporen" schrieb, hat er sicher nicht an Silbersporen gedacht – eine perfekte Anerkennung für eine erfolgreiche Reiterprüfung wären sie dennoch, selbst wenn sie nur zur Zierde sind. Man muss kein Reiter sein, noch nicht einmal ein ausgemachter Pferdefan, um von dem englischen Humpen, ein sogenannter Mug, der eine Schmiedeszene zeigt, begeistert zu sein. Es stammt aus der Regierungszeit George III, aus London 1786 – ein ganz ausgefallenes Silberobjekt! Dass mit Pferden nicht nur geritten, sondern auch gefahren wird , zeigt einerseits der edle Rahmen aus den 20er Jahren, den ein Traber mit seinem Jockey im Sulky ziert, andererseits die Silberteile, die mit Pferd und Wagen geschmückt sind: Zum Beispiel der holländische Zierlöffel von 1870  oder (eine Ausnahme! in der Silbersuite) die originelle Tischdose, die versilbert ist, aber mit feinen und aufwändig gravierten Silberbildern zwischen den Glasplatten bestückt wurde - auf der linke Seite ein Wagen mit 1 PS, auf der rechten ein Russische-TroikaWagen mit 35 PS. Neben den klassischen, europäischen „Pferdeländern" gibt es natürlich auch in anderen Ländern eine Pferdekultur, ganz eigene Pferderassen, Sportarten, Gefährte - und Silberobjekte, die all dies widerspiegeln. Bei Russland denkt jeder sofort an die Troika, der typische, russische Wagen oder Schlitten mit dem Dreiergespann. Kein Wunder, dass wir ihn häufig auf russischen Lack- oder Silberdosen sehen. Hier ein schönes Beispiel in Niellotechnik aus Moskau von 1889.

Eine große Pferdetradition besitzt Südamerika, insbesondere das Gebiet des heutigen Argentinien, das auch die Heimat der Gauchos und ihrer Criollo-Pferden ist. Da Silber in dem damaligen spanische Kolonialreich in großem Umfang vorhanden war, fand das glanzvolle Material seit je her auch bei edlen Reit- und Gauchosätteln, Zaumzeugen und Peitschen reichliche und oft prächtige Verwendung. So ist auch die hier gezeigte Gaucho-Peitsche aus demGauchopeitsche Ende des 19. Jahrhundert mit einem schweren, massiven Silberknauf, an dem eine stablile Handkette befestigt ist, gefertigt. Die Peitsche selbst ist aus feinem Ledergeflecht gearbeitet. Da es keine Handwerkszünfte wie in Europa und damit keine Kontrolle des Silberhandwerkes gab, sind viele südamerikanische Silberobjekte nicht punziert. Auf Grund des großen Angebotet war Silber relativ preiswert und so wurde hier in der Regel mit hohem Silberfeingehalt von 900 bis 950 gearbeitet. Da wir neben der Gauchopeitsche im Warenangebot noch einige andere südamerikanische Silberobjekte vorstellen, haben wir in dem separaten Artikel „Alte Silberarbeiten aus Südamerika" einige Informationen für Sie zusammengestellt, um Wert und Wertigkeit dieser besonderen Silberarbeiten ein wenig besser zu erklären.

 

 

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