Leben mit Silber

KleinesKurioses

Kleines & Kurioses - nicht alltägliche Silberobjekte


„Was könnte das wohl sein??" fragen wir uns und rätseln, wenn wir ein Silberobjekt finden, das nicht einzuordnen ist. Man dreht und wendet es, spekuliert und fantasiert und bleibt doch so manches Mal ratlos. Aber ist es nicht genau das, was die Liebe zum Silber so interessant, spannend und auch amüsant macht!? Wir als Händler wollen es natürlich genau wissen und speziell ich habe ein Faible für „geheimnisvolle" und skurrile Silberobjekte. So wird recherchiert, in der Fachliteratur gestöbert, das Internet durchforstet, Spezialisten kontaktiert und Freunde aus Museen und Auktionshäusern befragt. Manchmal bekommen wir aber den richtigen Hinweis von unseren Kunden selbst. Versierte Silberliebhaber und Sammler für bestimmte, manchmal recht ausgefallene Silbergebiete wissen oft mehr, als alle beruflichen Fachleute zusammen. Deshalb an dieser Stelle einmal ganz herzlichen Dank an all diejenigen, die sich die Mühe und Arbeit machen uns zu helfen, zu unterstützen und selbstlos an Ihrem besonderen Wissen teilhaben lassen. So war es auch ein Stammkunde, dessen Spezialgebiet, königliches und fürstliches Silber aus der ganzen Welt ist, der uns über die Bewandtnis der „Silber-Handgranaten" aufklärte, wie Sie hier eine auf dem großen Bild sehen können. Es waren königliche Geschenke an Regimentskommandeure und standen oft in Offizierskasinos als Zigarrenanzünder. Es gabt sie in verschiedensten Ausführungen, auch – das wiederum erfuhren wir von einem Freund und Auktionator für „Militaria" – als Duftlampen und sogar als Salzgefäße. Die Chiffre ist dann auch kein Besitzermonogramm, sondern dokumentiert den Namen des Regimentes. Es handelt sich also hier nicht um das persönliche Monogramm des Preußenkönig Wilhelm I, sondern das des Regimentes, welches ehrenhalber seine Namenchiffre trug. Der als Flamme gearbeitete Verschluss ist zum Füllen des Korpus abnehmbar und hat eine kleine Öffnung durch die der Docht geführt wird. An unserer Handgranate wurden übrigens nur die Hölzer entzündet, mit denen dann die Rauchwaren angezündet wurden.
Salzthron
Zu den „was-und-wofür-ist-das?-Objekten" gehören auch der Thron als Salzgefäß, der Grooming Brush, das Weihwasser-Reisegefäß und so manches Besteckteil, über dessen Verwendung wir nur spekulieren können. Nicht allzu lange mussten wir über die kleine, längliche Dose mit Doppelfach und der Halterung für einen Minilöffel rätseln. Es ist eine seltene Kokaindose. Sie stammt aus Deutschland um 1920, gefertigt von Martin Mayer in Mainz, gut 10 Jahre bevor Kokain offiziell in Deutschland verboten wurde. So ist diese Dose als Zeitdokument und recht einmaliges Sammlerstück zu sehen.

Kleines, was übrigens nicht gleich billig heißen und Kurioses, was nicht immer klein sein muss, gibt es oft und gerne in der Silbersuite, weshalb wir auch eine extra Warenrubrik gleichen Namens dafür geschaffen haben. Zu klein oder kurios zählt dabei Silber aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen. Über das Thema „Was könnte das wohl sein" haben wir schon gesprochen. Daneben sind es Miniaturen und Puppensilber und kleine Kostbarkeiten für Küche und Haushalt. Das Thema „Zeitzeugen" – Silberobjekte, die früher ganz „normal" zum noblen Alltag gehörten und uns jetzt fremd und unbekannt geworden sind, dafür von einigen Silberliebhabern heute aber um so leidenschaftlicher gesammelt werden, gehören ebenso dazu, wie originelles Silber mit Charme und Witz .Und dann zeigen wir Ihnen noch die kleinen bis kleinsten und damit seltenen Varianten dessen, was wir meist nur als „Großes" kennen.

Silber en Miniature:

Kleine-Welten-beareitet

Elegante Salonmöbel, feines Tafelsilber, Stubenzier und Küchengerät, was für die (reichen oder adligen) Erwachsenen recht und kostbar war, sollte auch in den Puppenstuben der Kinder seinen Platz haben. So entstanden kleine und kleinste Welten, in denen sich das Leben der Großen en Miniature widerspiegelte. Bemerkenswert ist, wie meisterlich detailliert diese Miniaturen, ihren großen Vorbildern entsprechend, gefertigt wurden. Heute sind diesen kleinen Kostbarkeiten, die Räumlichkeiten, in denen sie einst glänzten, abhanden gekommen, finden Fluegelaber als Einzelstücke bei begeisterten Sammlern eine neue Bleibe. Wer sich für „Kleine Welten" und deren Charme und Wunderlichkeiten begeistert, sei die ganz entzückende Sonderausstellung gleichen Namens im Maximilianmuseum in Augsburg empfohlen, die noch bis zum 21. Februar 2016 läuft und die diesmal eine Vitrine (siehe Bild) voll mit winzigen Silberschätzen aus einer Privatsammlung zeigt. (Die interessante, lehrreiche wie amüsante Führung findet jeweils am Samstag statt.)

Daneben haben sich vor allem die Niederländer auf Miniaturen mit Motiven aus dem täglichen Leben spezialisiert - Handwerker, spielende Kinder, Windmühlen, Jahrmarktszenen und Kutschen, die von Anfang an als Sammelobjekte gedacht und gefertigt wurden. Aber auch aus England, Österreich und Deutschland kommen feine Exemplare dieses besonderen Silbergebietes. Gute antike und alte Miniaturen (bis Anfang des 20. Jahrhunderts) haben hübsch ausgearbeitete Figuren und wenn immer möglich, lassen sich alle einzelnen Teile bewegen. Das unterscheidet sie deutlich von den billigen Souvenirstücken späterer Zeit. Wir zeigen Ihnen hier eine prächtige Rokoko-Salongarnitur und einen Miniflügel, die in Schwäbisch Gmünd um 1870 gearbeitet wurden. Schwäbisch Gmünd war berühmt für seine, zu dieser Zeit wohl besten Silberarbeiter für feinste Filigranobjekte - Rosenkränze, Knöpfe, Schmuck und eben auch Puppenmöbel und Miniaturen.

Nützliche Kleinigkeiten:

Alltaegliches

Es ist schon erstaunlich, was so alles aus Silber gefertigt wurde. Vor allem die Engländer hatten früher eine Vorliebe für Silber in der Küche, das heute begehrte und teils nach deutschem Verständnis, wahnwitzig teure Sammelobjekte geworden sind. Um es gleich vorweg zu sagen – genau aus diesem Grund hat die Silbersuite derzeit kein Exemplar eines Nutmeg - einer Muskatreibe, eines Lemon Strainers - eines Zitronensiebes oder eines Pincushion - eines Nadelkissen in Tierform. Sehr wohl aber können wir Ihnen Caddyspoons -Teeportionierungslöffel bieten, ein Papp-Boat – eine Breischüssel für Kranke, ein Silber-Teeei, ein vergoldetes Nähzeug im Elfenbeinetui, eine Nadeldose im Brautgewand und ein seltener Thermometerbehälter, der mit einer Silber-Sicherheitsnadel an der Schwesternuniform befestigt wurde. Aber auch ein Silber-Korken aus Paris gehört ebenso zum schönen Nützlichen, wie die Silberetuis für Streichhölzer. 

Zeitzeugen:

Zeitzeugen

Pomander, kleine Riechgefäße, die in vielerlei Formen und Ausführungen gefertigt wurden, waren ein Muss im 18. Jahrhundert. Jeder noble Mann und jede vornehme Dame trugen einen bei sich, die edelsten waren aus Silber oder Gold. (Siehe dazu im Magazin: Aromata - Kostbares Silber für erlesene Düfte). Silberknöpfe waren beim reichen Bürgertum keine Seltenheit und in Adelskreisen Standard. Auf unserem Bild sind sechs reich verzierte, höfische Rokokoknöpfe aus dem 18.Jahrhundert zu sehen. Die großen, kugeligen Knöpfe wurden mit Stoffschlingen geknöpft und sehen auch heute an einem flauschigen Hausmantel oder einer festlichen Jacke ganz fürstlich aus. Nicht mehr oft zu finden, aber damals ganz selbstverständlich, war ein Wachsstockhalter, der den „normalen" Leuchter auf Reisen ersetzte. Hier ein Rokoko-Wachsstockhalter aus Norddeutschland um 1780. Übrigens: Wachsstöcke, um den antiken Halter wieder in Gebrauch zu nehmen, sind auch heute in gut sortierten Kerzengeschäften erhältlich. Wenn der Adel oder reiche Bürger auf Reisen gingen, durfte auch das Mundzeug, das persönliche Besteck, nie fehlen. Dazu gehörte manchmal ein Eierbecher, jedoch immer eine Gewürzdose, so wie die hier gezeigte Doppelgewürzdose von 1804. Sie wurde aus fünfzehnlötigem Silber und Vermeil von dem berühmten Wiener Silberschmied Jakob Kratauer gefertigt. Anders als die meist ovalen, fein verzierten Vermeildosen aus Augsburg des 18. Jahrhunderts, ist diese josephinische Gewürzdose glatt, schlicht, ja fast „modern" gearbeitet. Ein Stil, der ab 1800 als Gegenbewegung zum Verzierten, von nur wenigen „neudenkenden" Silberschmieden speziell in Wien umgesetzt wurde und die Modernität der Zeit um 1900 – Stichwort Wiener Sezession – rund 100 Jahre vorwegnahm. Auch die sogenannten Vestas, die frühen Streichholzbehälter mit der Reibefläche sind heute „nur" noch Sammelobjekte, zu denen ebenso die alten Kinderrasseln mit Glöckchen, Pfeife und Koralle zählen, von denen leider nicht viele „überlebt" haben.

Mit Charme und Witz:

Mit-Witz

Dass auch Silberschmiede Sinn für Humor hatten, beweisen immer wieder ungewöhnliche, ja witzige Details, mit denen sie ihre Silberstücke gestalteten oder verzierten. Schönes Beispiel ist ist die russische Saliere aus Petersburg 1820, auf der zwei Mäuse keck in die Schale schauen. Zu den originellen und sehr gesuchten Objekten, gehört die Silberkuh als Sahnekanne aus Holland oder Figuren-Streuer aus Norddeutschland und für den Bonsaikünstler oder die Blumenbank-Gärtnerin das kleine, silberne Gartengerät. Mein ganz besonderes Lieblingsstück ist die reizende Vollsilberskulptur auf unserem großen Bild: Ein kleines Kind mit Lockenkopf und Kulleraugen, auf allen Vieren im kurzen Hemd, ein Füßchen mit, eines ohne Socken - so niedlich und detailgenau wurde es von dem berühmten Kölner Juwelier und Silberschmied Gabriel Hermeling um 1890 geschaffen. In ihrer Kompaktheit und einem Gewicht von fast 200 Gramm, eignet sie sich auch als ganz besonderer Briefbeschwerer.

Großes im Kleinformat:

Grosses-im-Kleinformat

Überraschend und ungewöhnlich werden Silberobjekte, die man als groß und stattlich kennt, wenn sie auf einmal (und dies geschieht nicht zu oft) ganz klein daherkommen. Die Jugendstil-Jardiniere hat einen roten, 13 x 7 Zentimeter großen Glaseinsatz und passt in ihrer Zierlichkeit an Orte, an denen eine große Jardiniere schlicht fehl am Platze wäre. Der Leuchter aus London von 1854 misst nur 10,5 Zentimeter und ist neben seinen „großen Brüdern" eine echte Rarität.  Kleine Teekannen, unsere gehört mit einem Inhalt von O,2 Litern zu den winzigen Vertretern der Teekannen waren hingegen in Japan und China damals gar nicht so selten, sie wurden für kostbare Tees und Teeessenzen verwendet, die aus kleinsten Schälchen getrunken wurden. Ein Exemplar dieser Art aus Silber ist jedoch sehr wohl ungewöhnlich und selten.

Wie Sie sehen ist die Welt des kleinen und kuriosen Silbers vielfältig. Einiges davon ist heute reines Sammelgebiet, aber vieles findet auch heute noch seine dekorative und auch nützliche Verwendung. Egal ob Sammelleidenschaft oder in Gebrauch, diese Silberstücke waren und bleiben immer eines: Etwas Besonderes.

Wer mehr über unsere und andere Silber-Kleinigkeiten erfahren möchte, dem seien auch diese Bücher empfohlen: „Silver Curios In the Home" von Dorothy T. Rainwater und Berryl Frank, veröffentlicht bei Schiffer Publishing LTD, „Collecting Smal Silverware" von Stehen Helliwell, bei Phaidon - Christie´s, Oxford und „Miniatursilber" von Victor Houart, erschienen im Callwey Verlag.

Buecher


Bildnachweis: Museumsvitrine – Anne Wall

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