Leben mit Silber

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Mit Vorsicht zu genießen - Silber mit Glas


Upps! Die Schiebetür der Vitrine scheppert vernehmlich, als ich den Silberleuchter beim Einräumen gegen das Glas schlage - sie hat sich mal wieder unbemerkt von selbst zugeschoben. Upps - und weiter ist nichts passiert! Mit einem Seufzer schaut meine Nachbarin mir gegenüber auf der Kunst & Antiquitätenmesse, Händlerin für altes Porzellan und Glas, zu meinem Stand herüber. Auch ihr ist vor kurzem das Gleiche passiert. Nur, der Dame des Tanzpaares, Meissen 18. Jahrhundert, fehlt nun die Hand und die Glasur des Rockes ist beschädigt. Der Verlust ist groß, der Ärger noch mehr. Sicher, esSchale-Hermeling2 gibt auch hierfür hervorragende Restauratoren, oft ist aber nichts mehr zu retten und wenn doch, es bleibt eine beschädigte Figur von vermindertem Wert. Da haben wir Silberhändler es besser. Kaum eine Delle, eine Stauchung, ein verbogener Stand oder ein loses Scharnier, die ein guter Silberschmied nicht „ungeschehen" machen kann. Natürlich ist auch beim Silber nicht alles und jedes reparierbar, die Akzeptanz für Alters-und Gebrauchsspuren bei antikem Silber ist jedoch ungleich höher, als bei Glas oder Porzellan – ja fast im Gegenteil, es gehört sogar dazu.

Es gibt Ausnahmen. Immer, wenn sich Silber mit Glas verbindet. Hier ist dann Vorsicht geboten. Denn ein Riss in der Kanne, das ausgebrochene Glas der Dose oder der fehlende Einsatz machen auch das Silber wertlos. Glas, manchmal auch Porzellan, gesellt sich in ganz unterschiedlichen Varianten zum Silber. Als einfachste Form sind die Einsätze zu nennen. Viele Silberobjekte - Jardinieren, Salieren, Senf- und Zuckergefäße, Schalen und Körbe - sind so gearbeitet, dass sie einen Glaseinsatz benötigen. Schön, wenn sich das Originalglas, unbeschädigt erhalten hat, wie bei unserem Henkelkörbchen im Biedermeierstil oder der großen Schale von dem berühmten Silberschmied und Juwelier Gabriel Hermeling aus Köln, die als Jardiniere, genauso wie als Obstschale ihre dekorative Verwendung findet.

Huliere-Paris-lifeEinsätze können ersetzt werden. Glasmanufakturen, zum Beispiel im Bayrischen Wald, in Tschechen und allen voran die berühmte Firma „Blue Christal Glass" in London, fertigen diese maßgenau und in gewünschter Farbe. Neben den klaren Gläsern, ist es vor allem das blaue Glas, das vornehmlich für englische und französische Silberobjekte verwendet wurde. Daneben finden wir auch rotes (granberrry) und, eher selten, grünes Glas. Auf unserem kleinen Bild sehen Sie eine Saliere aus den Niederlanden von 1887 und einen kleinen Streuer aus London des Jahres 1785 mit den typischen, blauen Glaseinsätzen. Aber Achtung, diese passgenauen Sonderanfertigungen haben ihren Preis und übrigens auch eine lange Wartezeit. Ein einfacher, ungeschliffener Glaseinsatz für eine Jardiniere kostet je nach Größe zwischen 400,- Euro und 800,- Euro. Noch teurer wird es bei Karaffen, wie wir sie zum Beispiel für Hulieren brauchen. Nur selten und dementsprechend teuer sind Hulieren und Menagen mit den Originalgläsern. Da nicht nur Silber das Glas, sondern auch ab und zu das Glas sein Silber „verliert", findet man schöne Flaschen und Karaffen auf den Floh- und Antikmärkten. Nur so gut wie nie, passen sie auch wirklich in das „fremde Silber". So sehe ich immerIMG 0054-a wieder in Geschäften, wie auf Auktionen, Hulieren, in denen Karaffen stecken, die da nicht hingehören. Zu hoch, zu dünn, vom Stil nicht passend usw. Wie gesagt, man kann sich nach alten Vorbildern, die perfekten Flaschen passgenau anfertigen lassen. Mit 700,- bis 1.000,- Euro muss man rechnen und das rechnet sich nur, wenn man wirklich ein besonderes, kostbares Silbergestell vervollständigen möchte. Bei manchen Objekten halte ich es persönlich übrigens für besser, dem Originalglas, selbst, wenn es eine kleine (und natürlich restaurierte) „Macke" hat, den Vorrang zu geben. Der Einsatz der seltenen– gerade weil sie mit diesem Glas gemacht wurde – Saliere aus Augsburg von 1779 ist so ein Fall.

Karaffe-gruen-life2Eine beliebte Methode Karaffen oder Flakons zu veredeln, war, damals, wie heute, eine Montierung mit Silber. Im einfachsten Falle ist dies eine schlichte Silbermanschette, aufwändiger, mit Ausgüssen, Henkeln, verzierten Deckeln und Korken. Während meinst das Glas eine Begleitrolle zum Silber war, spielt bei  geringem Silbereinsatz das Glas eine wesentliche Rolle. Auch berühmte, französische Glasfirmen, wie Gallé, Daum oder Lalique verzierten hin wieder ihre kunstvollen Glasobjekte mit Silber. Das kostbare an diesen Stücken ist und bleibt aber das Glas. Aus keinem so berühmten Hause, aber dennoch sehr edel gemacht, ist der hier gezeigte Likörflakon aus grünem Überfangglas, der aus Kopenhagen um 1900 stammt und eine originelle Montierung mit Vierfachausguss und einen mit Silber überzogenen Stöpsel aufzuweisen hat.

Kommen wir zu den aufwändigen Stücken, bei denen das Glas vom Silber umschlossen, ummantelt, eingeahmt wird. Wenn hier etwas zu Bruch geht, gibt es keinen Ersatz. Dem Glas kommt  neben dem Silber eine fast gleichberechtige Position zu. Das große Foto links, zeigt ein seltenes Senfgefäß aus dem frühen 19. Jahrhundert. Das perfekt erhaltene, mit blauem Überfangelementen gefertigte und verzierte Glas wird von einem Silbersockel mit drei Schwänen, dem Griff, der ein Schaf zeigt, das aus einem Füllhorn frisst und dem mit Blumen verzierten Deckelrand, samt Klappdeckel umfasst. Ähnlich verhält es sich bei der Jugendstilkaraffe aus Portugal, deren Dekor des Kristallkorpus, sich in der Silbermontierung von Fuß, Hals, Deckel und Griff wiederfindet. Eine wunderschöne Arbeit, sowohl die des Silbers, als des Glases. Auch diePfeffermuehle-Glas-life2 Amsterdamer Teedose von 1876 ist aus dickem Glas, hier sehr originell aus Rauchglas (das gleichzeitig den Tee vor Lichteinflüssen schützt), das von zwei Silbermanschetten „eingerahmt" wird und einen Silberdeckel mit Elfenbeinbekrönung besitzt.

Einer der bekanntesten Techniken zur Veredlung und Verzierung von Glas, ist der Glasschnitt oder Schliff in Bleikristall. Neben „wilden Mustern" wurde gerade in Verbindung mit Silber der geometrische Steinelschliff, die Steinelung, beliebt. Das in gleichmäßig große Quader oder Rauten geschnittene Kristall mit den angeschliffenen Flächen, bricht und reflektiert das Licht, eine wunderbare Kombination zum Glanz des Silbers. Ein perfektes Beispiel dafür ist die große Gebäck– oder Pralinendose mit dem hohen Silberdeckel. Die Dose kommt aus den USA der 30er Jahre und wiegt rund 1,7 Kilo. Auch bei den Engländern war der Steinelschliff in Mode, was die Pfeffermühle aus Birmingham von 1893 und die kleine Menage von 1895 (im Warenangebot) zeigen.

Eine Sonderstellung bei den Objekten, bei denen sich Silber und Glas mischen, nimmt das Silber-Overlay ein. Glas, das mit spürbar dickem Feinsilberbelag beschichtet oder überzogen wird. Besonders schön, die Kombination von Blau und Silber, wie die Jardiniere und die Vase, beide aus Deutschland um 1900, dokumentieren. Wie genau die Technik des Silber-Overlays funktioniert und wie und wo es überall gemacht wurde, können Sie in unserem Magazinartikel „Overlay – Silberbelag auf Glas und Porzellan" nachlesen.

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Noch ein Wort zum Reinigen von Silber mit Glas oder alten Karaffen und Kannen. Im Allgemeinen verträgt Glas das Silberputzmittel und auch das Silbertauchbad. Vorsicht ist bei bemaltem oder beschichtetem (Goldränder) Glas geboten. Kristall ist hart und widerstandsfähig, sehr altes feines Glas, das nicht nur wegen des Silbers nicht in die Spülmaschine gehört, kann auf scharfe Mittel mit Trübung reagieren. Belege von Wein, Likör etc. in Karaffen, Untersetzer-Overlay-lifeRückstände in Senfgläsern, Pafümflakons oder Verschmutzungen von Blumenwasser werden – wenn es festsitzt (und Sie mit der Bürste nicht hinkommen) – mit „Magic-balls", das sind kleine Kupferkügelchen, die zusammen mit etwas Wasser im Glas hin und her geschüttelt werden, entfernt. Es gibt sie im Fachhandel, Haushaltgeschäften oder im Internet zu kaufen. Ich habe bei altem Glas gute Erfahrungen mit Gebissreinigern gemacht, die sanfter als Essig säubern und meist perfekte Ergebnisse erzielen und auch das Silber, wenn es denn damit in Verbindung kommt, wird nicht beeinträchtigt. (Ich reinige auch damit das Innere der Silberkaffee-und Teekannen). Einige alte Karaffen, sogar die aus Kristall, bekommen, was die Experten als Glasfraß bezeichnen, einen feinen, milchigen Innenbelag, der sich mit dem Glas verbunden hat und nicht mehr zu beseitigen ist. Allerdings, in dem Moment, wenn Flüssigkeit eingefüllt wird und sei es nur Wasser, sind die Trübung oder die Flecken nicht mehr sichtbar, das Glas wird klar. Wenn Sie eine solche Karaffe also manchmal ohne Inhalt, nur zur Zierde zu stehen haben, füllen Sie ein Alkohol/Wassergemisch hinein, reines Wasser verursacht mit der Zeit Ablagerungen.

So wünsche ich Ihnen lange viel Freude an diesen besonderen Silberstücken, ob Jardiniere, Vase oder Salzgefäß. Genießen Sie es – aber bitte - handle with care.

 

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