Silbersuite

Leben mit Silber

Vorbereitung fuers Fest

Vorbereitung für´s Weihnachtsfest

Gute Vorbereitung ist die halbe Arbeit. Dies trifft im Besonderen auf große Feste, wie Weihnachten zu. Im November denkt man, der 24. Dezember ist noch in weiter Ferne. Dann steht er „plötzlich“ vor der Tür und Stress und Hektik machen sich breit. Ich selber kenne das nur zu gut und stand, wider besseres Wissen, viele Jahre immer wieder vor der gleichen Situation. Denn die Tage vor Weihnachten gehören meinen Kunden. Bestellungen müssen bearbeitet, einige noch in letzter Minute als Geschenk verpackt, versandt und manche sogar in einem machbaren Umkreis, persönlich ausgeliefert werden. So habe ich seit einiger Zeit die letzte Novemberwoche für meine Weihnachtsvorbereitungen reserviert.
Das Weihnachtsmagazin ist veröffentlicht (Sie lesen darin), die Bestellungen sind noch überschaubar und in der Regel nicht eilig. Jetzt ist für mich die perfekte Zeit, mich um das Weihnachtsfest zu kümmern. Sind noch genügend Baumkerzen vorrätig? Und neue Pfiffikuse, diese kleinen Aufhänger für die Kugeln, die wie die Socken in der Waschmaschine, immer wieder auf mysteriöse Weis verschwinden, müssen nachbestellt werden. Oje, die eleganten Servierten liegen immer noch ungebügelt im Wäschekorb. Wie sieht´s im Weinkeller aus? Als Sologastgeberin brauche ich ein Festmenü, das ich jetzt schon vorbereiten kann, um nicht lange in der Küche stehen zu Kuehler und Kruegemüssen und meine Gäste sich selbst zu überlassen. Mein viel gelobtes Boeuff bourguignon, bereite ich in einem Gusseisentopf zu. Das braucht 4 Stunden Schmorzeit und 12 Stunden Vorbereitung, wenn das Fleisch in Rotwein mariniert wird. Fertig, wird es eingefroren und am 24. ganz easy aufgetaut und heiß serviert. Übrigens auch kein schlechter Tipp, für Weihnachtsgestresste in Familien. Wie und in welchen Farben dekoriere ich die Festtafel? Dieses Jahr habe ich mich für grün, weiß, gold und natürlich wieder viel Silber entschieden. Ja – das Silber! Festlich soll es an diesem Abend aussehen und mit den Kerzen um die Wette glänzen. Das heißt: Silberputzen. (Ein paar Tipps dazu finden Sie hier.) Die Silberleuchter, die Jardiniere und die Karaffen-Sammlung stehen das ganze Jahr offen in der Wohnung und bekommen jetzt eine Grundauffrischung, die auch (dank Nano Blitz) bis Weihnachten perfekt hält. Dinge im nicht täglichen Gebrauch. aus Schränken und Schubladen, werden überprüft. Der Weinkühler, letztes Mal im Frühjahr im Einsatz, ist arg angelaufen, die Terrine zeigt ein paar dunkle Flecken und der Satz Salieren und das Besteck hatten auch schon mal glänzendere Zeiten. Also ran an die Arbeit - aber ganz entspannt, ohne Zeitdruck, ja sogar mit Lust und Laune. Dabei muss ich oft mit einem Lächeln an eine junge Kundin denken, die auf unserem Stand bei der Antiquitätenmesse, im Gespräch mit anderen Kunden, die meinten, Silber sei etwas Wunderbares, wenn nur nicht das leidige Putzen wäre, entgegnete: Sie liebe Silberputzen, es sei wie meditieren, gleichmäßig konzentrierte Bewegungen, frei von schweren Gedanken. So „meditiere“ ich den ganzen Tag, begleitet von sanfter Musik und nehme hin und wieder einen Schluck Champagner, den ich traditionell, eigens immer für diese Beschäftigung öffne. Danach baue ich alles auf der Esszimmerkommode auf, betrachte mir mein Werk und - bin´s zufrieden! Dann wird das Silber luftdicht verpackt (außer natürlich den Dingen, die mich immer umgeben) und kommen gemeinsam in eine Kiste. Wenn ich am Vormittag des 24. den Tisch decke, habe ich alles parat und das ohne „böse Überraschungen“.

Nun möchte ich Ihnen hier natürlich nicht mein persönliches Silber vorstellen, wie es strahlend auf der Kommode steht, sondern die neu erstandenen Objekte aus der Silbersuite, obgleich vieles hier, bezüglich des Aussehens und der Verwendung, den meinen sehr ähnlich ist. Übrigens - auch vor diesem Foto war „langes meditieren“ (ohne Champagner) angesagt.

Ein Wein-oder Sektkühler gehört eigentlich zu jeder „großen“ Tafel - Sommers, wie Winters. Nicht unbedingt auf den Tisch, da er Platz und Sicht nimmt. Besser steht er auf einem keinen Beistelltisch neben dem Gastgeber, der so auch jederzeit nachschenken kann. Der hier gezeigte Kühler kommt aus England von 1908. Untersetzer WebsterGroß und hoch genug für zwei bis drei Flaschen, mit ausladenden, nach oben geschwungenen Griffen, ist er einerseits prächtig, dennoch schlicht und zurückhaltend und passt sich somit jeder klassischen, wie modernen Umgebung und Tafel an. Für Wasser und Saft stehen zwei außergewöhnliche Krüge mit feinem Silber-Overlay auf dem Tisch. Eine große Karaffe mit rund 1,3 Litern Inhalt und eine kleine, mit gut einem halben Liter Fassungsvermögen. Das dickwandige Glas ist geschnitten und mit Blumen in Ätztechnik verziert. Das Silber-Overlay im Jugendstil zeigt Blüten und Blattwerk, das sich um die Karaffen rankt. Als Paar etwas ganz Besonderes, sie sind aber auch einzeln zu haben. Das üppige Overlay-Blütenmuster auf Glasuntersetzern ist ganz typisch für die Firma Webster aus Massachusetts, immer mal wieder findet man sie als Platten von 15 cm Durchmesser. Überraschend und so noch nie gesehen sind dagegen die kleinen Gläseruntersetzer, die als Satz in einem Ständer gestapelt sind. Ich habe zwei Ständer mit jeweils 10 Untersetzern erwerben können, als Paar oder Einzelstück erhältlich.

Hochwertige Silberoverlay-Objekte werden immer seltener und damit leider auch immer teurer, egal, ob sie nun aus Deutschland, Frankreich oder wie meist aus den USA kommen. Ich selber besitze eine Sammlung von Karaffen auf einem Tablett, die ich sehr liebe und die oft bewundert wird. Beide Overlay-Karaffen, die ich Ihnen hier vorstelle, wären eine wunderbare Bereicherung für meine persönliche Sammlung, das Tablett ist allerding schon übervoll und so gönne ich nur zu gerne diese beiden außergewöhnlichen Schönheiten den Overlay-Liebhabern unter meinen Kunden. Auch die Vase, die Sie unten im Bild sehen, wurde mit einem aufwändigen Silberoverlay im Arabesken-Muster verziert. Die hohe, schlanke Porzellanvase stammt von Rosenthal aus der Zeit 1952-1956.
Overlay Details

Auf festliche Tafeln gehört Kerzenlicht. Wenn es Tellergerichte gibt und so Platz auf dem Tisch ist, sind viele, auch unterschiedliche Leuchter ein toller Hingucker. Wenn ich Raum für Schüsseln und Platten brauche, bevorzuge ich eine Girandole mit 3- bis 5 Armen, aber eben nur einem Fuß. Diese fünfarmige Girandole im Art Déco wurde in Hanau von der Firma Weinrack & Schmidt gefertigt. Spezialität der Firma, die 1889 gegründet wurde, sind handgefertigte Silberobjekte. So sind auch hier Girandoleviele Elemente in Handarbeit entstanden. Die Girandole lehnt sich stark an den Stil des dänischen Art Déco an, Ähnlichkeiten mit den berühmten Leuchtern von Georg Jensen sind wohl nicht zufällig. Die lange, schmale Form des Leuchters macht ihn ideal für lange Tische, ist aber auch ein ganzjähriges Highlight auf jeder Anrichte oder Kommode.

Es ist Ansichts- und Geschmacksache, ob Sie ein großes Salzgefäß in die Mitte des Tisches stellen oder kleine Saliere vor den Teller jedes Gastes, wie es im 18. Jahrhundert Mode wurde. Viele frühe Salieren, die wir heute als Einzelstück oder höchstens als Paar bekommen, waren zu ihrer Zeit Teil einer ganzen Schalenfamilie, die mit den Jahren auseinandergerissen wurden oder verloren gingen. Die Bremer Silberfirma Koch & Bergfeld hat sich dieser Tradtion angenommen und ein Set von 6 Salieren mit dazu passenden Salzöffelchen geschaffen. Sie stammen aus der Zeit um 1910, sind jedoch im historischen Stil gehalten in einer Kombination aus Weißsilber und Vergoldung mit kleinen, geschliffenen Glaseinsätzen. Im Geschenketeil finden Sie übrigens einen weiteren Satz Salieren, hier sind es 4 Schälchen in Schmetterlingsform, ebenfalls mit dazugehörigen Salzlöffeln. Für ein mittig plaziertes Salzgefäß kann die naturgetreu gestaltete Eselsfigur begeistern, die zwei Körbe, als Salzgefäße, rechts und links des Sattels trägt. Der Esel ist ein seltenes Objekt aus Paris um 1850. Aus London des 18. Jahrhunderts kommt die schwere Sauciere, die, wie zu dieser Zeit üblich, mit einen Deckel gefertigt wurde. Wie alle Silberobjekte aus „gutem Hause“ trägt auch die Deckelsauciere ein Familiencrest, ein Adelswappen mit Adler. Über 100 Jahre später, 1896 wurde die Londoner Deckelterrine gearbeitet. Eine „moderne“ Variante der englischen Deckelschüsseln, bei der der Griff des Deckels mit einem Dreh abgenommen wird und man somit den Deckel als 2. Schüssel verwenden kann- sehr praktisch Man findet sie in vielen Ausführung, oft auch als versilberte Schüsseln, seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wieder ein Kind des späten 18. Jahrhunderts ist das in England so beliebte Sweet Dish, ein Henkelkörbchen mit Fuß, das je nach Größe, als Zuckerschale oder wie hier als Konfekt-und Gebäckkörbchen seinen Einsatz fand und findet. Ich muss gestehen, der Besteckkasten ist dann doch aus Eigenbesitz, er passte einfach zu gut zu diesem Bild, einen ähnlichen Kasten mit einem Augsburger Besteck von 1795 finden Sie jedoch in der Rubrik „Besteck“, in neu eingestellt die schöne Kelle aus Königsberg von 1856.

Weihnachten

Wie auch immer Sie in diesem sehr speziellen Jahr Weihnachten feiern, in größerer oder ganz kleiner Runde, genießen sie es! Machen Sie es gerade jetzt zu etwas ganz Besonderem. Eine gute Vorbereitung ist dabei halbe Mühe und doppelte Weihnachtsfreude.

Frohe Weihnachten wünscht Ihnen
Ihre Kerstin Fahrenson-Baaten und die Silbersuite