Leben mit Silber

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Die Blumen des Jugendstils - neue (Blüten)-Kunst auf Silber

Pflanzenornamente waren seit jeher beliebte und viel verwendete Schmuckelemente für und auf Silber. Üppige Weinranken, strenge Akanthusblätter, herrschaftliche Lorbeerfriese, Rosengirlanden und Lilienbouquets und allerlei Fantasieblumengebinde zierten und dekorierten antike Silberobjekte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Dann - um 1900, kam beinahe über Nacht, ein völlig neuer, moderner Stil auf, der Kunst und Architektur, sowie das Kunstgewerbe und damit auch das Silber revolutionierte: Das "Art Nouveau", in Deutschland bekannt als "Jugendstil". Paar-Rahmen-EmailNeben den Formen der Silberobjekte, sprachen auch die Dekore eine nie dagewesene Sprache. Der Jugendstil verwendete (neben seinen berühmten Frauenfiguren) Pflanzen, die bis dato von Entwerfern und Silberschmieden kaum oder gar nicht zu Kenntnis genommen wurden. Blumen, die sich wanden und rankten und das Silber umschlangen, Wiesenblumen und unscheinbare, kleine Blüten, die auf einmal ins Rampenlicht kamen. Eine der Lieblingsblumen des Jugendstils war die Mohnblume. Während unserer heimischer Klatschmohn, den wir hellrot, wie schön, heute wieder häufiger auf unseren Feldern finden, eher gerade Stängel hat, wächst der Garten- oder Türkenmohn mit seinen großen Blüten in geschwungener LInie und nimmt bizarre Formen an. Ganz so, wie auf der dänischen Jardiniere, die rundum mit Mohn "bewachsen" ist. Neben den filigranen Blüten, sind auch die abgeblühten Mohnkapseln sehr dekorativ - auf dem Silber ebenso, wie als Kombination zu den feinblättrigen Sternhortensien im Gesteck in der Jardiniere. Mohnblüten werden im Jugendstil auch gerne als stilisierte Blumen verwendet. Schöne Beispiele sind die kleine Blütenvase aus Birmingham von 1909 und der edle, hohe Flaschenhalten aus London von 1903 von der berühmten Firma Goldsmiths & Silversmiths. Meist unbeachtet  entlang von Feldern und Wiesen wächst die Buschwinde, auch Zaun- oder Ackerwinde genannt , mit ihren prägnanten Herzblättern und den zarten weißen, flieder oder rosa Blütenkelchen. Gerne bedeckt sie die Wegränder, am liebsten aberVase-Koch-Bergfeld-detail1 schlingt sie sich um einen hochgewachsenen Nachbarn, ein Korn-oder Grashalm, um ganz nach oben an die Sonne zu gelangen. In Ziergärten, in denen sie sich per angeflogener Samen, schnell vermehrt,ist sie deshalb nicht so gerne gesehen, da sie alles andere, falls man sie nicht rigoros daran hindert, überwuchert. Auf der großen englischen Obstschale aus Chester von 1902 durfte sie sich ungehindert ausbreiten und die ganze Schale rundum, bis auf eine Kartusche, bedecken - mit wunderschönem Resultat. Es sind ebenso Buschwinden, die sich an dem englischen Rahmenpaar emporranken, die Blüten aus blauem Email.

Lassen Sie mich bei der Gelegenheit ein paar Worte zu Silberrahmen im Allgemeinen und englischen Jugendstilrahmen im Besonderen sagen. Alte Fotorahmen, wir reden hier von einer Zeit ab ca. 1870, sind gemessen an dem Silberanteil und im Vergleich zu anderen Vollsilberobjekten immer teuer. Sie sind selten - selten geworden, schon gar, wenn man sie vollständig mit gut erhaltener Originalrückwand und Aufsteller bekommt. Und sie sind beliebt und damit sehr gesucht. Die englischen Jugendstil-Rahmen nehmen eine besondere Stellung untern den Rahmen ein, um so mehr, wenn man sie als Paar findet. Sie sind in der Regel aus Eichenholz gefertigt, mit fantasievollen Silbermotiven versehen, sehr aufwändig gestaltet und oft von Künstlern entworfen und bekannten Silberfirmen gefertigt. Die seltenen Exemplare erzielen in England auf Auktionen hohe vierstellige Zuschläge. Sie sind außergewöhnlich und behalten oder steigern sogar ihren Wert auch in Zukunft, da es immer weniger von ihnen gibt. Ich habe meiner englischen Freundin und ehemaligen Händlerin Sarah (ich schrieb über sie im Magazin "Tea Time - Gäste aus Deutschland, Silber aus England)  bei meinen 9-Mokkaloeffel-Zuckerzange-detail1Besuchen das eine und andere Stück/Paar abgeluchst, was auch immer nur mit Bestechung von mindestens drei Dosen Münchner Weißwürsten möglich war. So kann ich Ihnen die seltenen Rahmen zu Preisen anbieten, bei denen die englischen Liebhaber nicht einen Moment zögern würden. Deutsche Kunden werden hier schon länger überlegen. Ich wundere mich allerdings immer ein wenig, wenn ich in Häuser und Wohnungen komme, in denen die schönsten Antiquitäten stehen, Bilder berühmter Maler hängen, edles Silber und kostbares Porzellan das häusliche Gesamtkunstwerk vervollständigen. Und dann die Fotorahmen, die jeder mal mehr, mal weniger aufgestellt hat: Neue, meist grausig zaponierte Silberrahmen, Massenware aus Italien oder Amerika, wie man sie in jedem Geschäft um die Ecke findet. Eigentlich schade.

Während auf dem zweiten Paar Rahmen, das ich anbiete, Engel von Mohnblumen umgeben sind, schmücken den englischen Einzelrahmen auf unserem großen Bild zarte Maiglöckchen, auf dem deutschen Rahmen - ganz ohne Holz - sind es Schneeglöckchen (im Warenangebot). Selbst die glatte Vase in schlichter Becherform, die von der Firma Koch & Bergfeld bereits 1896 gefertigt wurde (die Produktionsnummer gibt Aufschluss über das Fertigungsjahr), bekommt durch die  feinen Spraynelken ( wie ich jetzt weiß, gibt es unzählige Varianten der Nelke), die sich um die Vase gruppieren, eine verspielte Eleganz und Leichtigkeit. Auch viele Besteckte desUntersetzer-Japan-detail1 Jugendstils erblühten in ausgefallener Blumenpracht, man denke nur an das berühmte Weltausstellungsbesteck von Bruckmann und Söhne mit der Iris. Auch eine Blume, die ein Star unter den Jugendstilblumen war und ein Motiv, das in verschiedenen Varianten immer wieder von unterschiedlichen Besteckmanufakturen in vielen Ländern aufgegriffen wurde. Hier ist es die Firma Julius Lemor aus Breslau, die die 10 Mokkalöffel mit der dazugehörigen Zuckerzange damit dekorierte. Zum Art Nouveau gehört sicher auch der Japonismus, Einflüsse der japanischen Kunst auf westliche Kunst und Kunsthandwerk. Für die floralen Motive standen traditionelle Nationalpflanzen Pate, wie die prächtige Chrysantheme, die zarten Kirschblüten, die Ginkoblätter oder der exotische Bambus, wie er auf dem aparten Untersetzer aus schwarzen Glas mit Silber-Overlay, zu sehen ist. Interessanteweise wurde dieses Stück in Japan selbst, von der Firma Asahi Shoten Silver in der Dreißiger Jahren gefertigt, also zu einer Zeit, als der verspielte Jugendstil durch das strengere Art Déco abgelöst worden war und kam dann, wie auch immer, nach Europa.

Blumen

Glauben Sie mir, die Recherche zu diesesm Artikels hat mein botanisches Wissen enorm erweitert.  Dabei ist es eigentlich gar nicht wichtig, wie die Blume, die das Silber schmückt, heißt. Wichtig ist, sie gibt in Ihrer speziellen Form und Gestaltung dem Silberobjekt diesen unvergleichlichen Charme, wie wir ihn am Jugendstil so schätzen und lieben.

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