Silbersuite

Silbersuites SilberlexikonA

Akanthus:

Ein Staudengewächs des Mittelmeerraumen, dessen Blätter in stilisierter Form als Zierornamente schon in der Antike angewandt wurde und vor allem an den korinthischen Kapitellen reiche Verwendung fanden. In der Renaissance und vor allem im Barock wurde es ein wichtiges Dekor im Kunsthandwerk. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts ist das Akanthusblatt - als Vorlage dienten die kleinformatigen Kupferstiche der deutschen „Kleinmeister“, die Entwürfe für  Ornamente und auch Gegenstände für das Kunsthandwerk lieferten - ein wichtiges und beliebtes Motiv für Reliefguss und Gravuren. Die ebenfalls häufig auf Silberobjekten zu findende Akanthusranke ist eine freie, künstlerische Erfindung, da der natürliche Akanthus keine Ranken treibt.

Akanthus

B

Bekrönung:

Eine dem Deckel aufgesetzte ornamentale oder auch figürliche Verzierung, die angelötet oder mit einem Gewinde versehen, angeschraubt wird und als Handhabe beim Abheben oder Aufsetzten des Deckels dient. Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt: Schwäne, Papageien, Hühner, Hunde, Schlagen, Fantasiefische, Putten und Amoretten. Daneben Früchte, wie Ananas, Trauben oder Kürbisse und natürlich Blumen. Schlichter sind die Kugeln, Scheiben oder Balusterknöpfe.

Bekroenung 1

Blümleinmacher:                                                                                                                                                                                                                                           Silberblumen

Die Silberschmiede, die auf Bekrönungen (man spricht auch von  Deckelknauf) in Form von Blumen und Blumenbouquets spezialisiert waren, werden Blümleinmacher genannt. Diese, sehr aufwändig und filigran gefertigten Bekrönungen, zierten meist die großen Traubenpokale des 17. und 18. Jahrhunderts. Augsburg war berühmt für diese Silberblumen, die oft von Frauen gemacht wurden.

C

Coaster:

Englische Bezeichnung für Flaschenuntersetzter, ist aber in deutschen Auktionshäusern als „Wine Coaster“ für Weinflaschenuntersetzter sehr gebräuchlich. Auch in der Silbersuite verwende ich den Ausdruck bei Flaschenuntersetzern, die englischer Herkunft sind. Bis ca. 1760 gibt es keine Nachweise für Wine Coaster. Die frühen Untersetzer hatten einen Holzboden, die Galerien waren an die Durchbruchsarbeiten der Barock- und Gebäckkörbe angelehnt. Sie wurden fast immer als Paare, manchmal auch als Sätze von 4 bis mehr Untersetzern gefertigt. Aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts findet man wiederrum kaum Weinuntersetzten in England und wenn, dann meist in plated/versilbert. Die meisten Coasters haben, wie erwähnt einen Holzboden, nur wenige sind ganz aus Silber gearbeitet. Als Paar oder Set von mehreren Coastern werden sie in England hoch gehandelt.

Coasters

D

Durchbruchsarbeit:

Im Fachjargon auch unter der lateinischen Bezeichnung „Opus interrasile“ (halb erhaben gearbeitet) bezeichnet, werden bei der Durchbruchsarbeit aus einer Silberplatte Ornamente herausgeschnitten. Bei feinen Mustern, zum Beispiel bei Hebern wurde das Motiv  mit einer kleinen Säge herausgearbeitet. War diese Arbeit bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts aufwändige Handarbeit, übernehmen ab ca. Mitte des 19. Jahrhundert diese Arbeiten in der Regel Stanzmaschinen. Ganz links ein Heber aus Dresden 1790, ein Durchbruchsdekor in feiner Sägearbeit, die Durchbuchdekore bei Schalen und Senftopf sind gestanzt.

Durchbruchsarbeit

D

EligiusEligius

Der Heilige Eligius (auch Eulogius und französisch St. Eloy) ist der Schutzpatron der Gold-und Silberschmiede. Eligius von Noyon (589-659) war Bischof von Noyon und wurde später als heilig verehrt. Eligius erlernte das Goldschmiedehandwerk und wurde Schatz- und Münzmeister des Merowingerkönigs Chlothar II und dessen Nachfolger König Dagobert I, für die er zahlreiche Goldschmiedearbeiten anfertigte. Nach Dagoberts Tode empfing er die Priesterweihe und wurde Bischof von Tours und später von Noyon. Das Bild zeigt den Heiligen Eligius als Goldschmied mit Godeberta, der Gründerin und Abtissin des Klosters Noyon. (Quelle: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon.)

EP und EPNS:

Marke und Bezeichnung für elektroplattierte Ware, also versilberte Objekte. Beim Plattieren wird eine dünne Silberschicht auf ein anders Metall - z. B. Kupfer, Messing – aufgebracht. Das kann durch ein Aufwalzen eines dünnen Silberbleches gemacht werden, das sogenannte Sheffield Plate, benannt nach dem von Thomas Boulsover entwickeltem Verfahren, Kupfer mit Silberblech zu plattieren. Da er seine Firma in Sheffield gründete, erhielt das neue Produkt diesen Namen, Abkürzung OSP. Oder durch Galvanisieren, dann spricht man von Elektroplattieren, im englischen electro plated, EP. Wenn das Objekt, das galvanisch versilbert wird aus Nickelsilber ist, erhält es die Bezeichnung EPNS. Sehen Sie dazu auch "Englische Silbermarken",
letzter Absatz.

F

Filigran:

Filigran, aus dem lateinischen Filum - Faden und granum - Korn, sind feine, auf verschiedene Art gebogene und zusammengelötete Silberfäden. Die Ägypter zählten zu den ersten, die diese hauchdünnen Gold-und Silberfäden zu dekorativen Mustern oder ganzen Gegenständen verknüpften. Seefahrende Kaufleute verbreiteten diese Kunst über den ganzen Mittelmeerraum, bis dieSaliere Filigran 13 Kreuzfahrer mit Beutestücken die Filigrankunst auch im Abendland bekannt machten. Bis zum heutigen Tag werden in dieser aufwändigen Filigranarbeit in ganz Europa Schmuck und kleinere Gebrauchsgegenstände gefertigt. Bekannt für Filigranarbeiten ist Portugal, das es als „Import“ aus Indien übernahm, Russland, das seit dem 16. Jahrhundert Filigran zur Dekoration von Silberobjekten verwendete, und Venedig. Wohl durch die Augsburger Goldschmiedefamilie Grill, die in vielen Ländern tätig war, kam die Filigrantechnik im 17. Jahrhundert nach Augsburg und nahm von dort den Weg in den Norden, nach Hamburg, Schweden und die Niederlande, die diese Technik gerne für ihre Miniaturen verwendeten. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war Schwäbisch Gmünd das wichtigste Zentrum für Filigranarbeiten in Deutschland – von Miniaturmöbeln, über Trachtenschmuck bis hin zu Rosenkränzen. Große Arbeiten, wie zum Beispiel der hier gezeigte, 40 Zentimer hohe Korb aus Augsburg von 1805, ebenso wie die meist aus Portugal stammenden Tabletts, sind äußerst selten. Vielfach sind Filigransilberobjekte nicht punziert oder haben lediglich einen kleinen Silberfeingehaltsstempel, wie 84, 13 oder 800, da schlichtweg kein Platz für Marken vorhanden sind.

Filigran

G

Gustavianischer Stil:

Schwedischer Klassizismus, ein Architektur-Einrichtungs-und Kunstgewerbestil, der unter Schwedens König Gustav III (1771 – 1792) eingeführt wurde und bis ca.1810 unter König Gustav IV fortbestand. Die üppigen Formen des Rokokos wurden durch gerade Linien und Details der Renaissance ersetzt, was auch Anleihen in der Antike miteinschloss. Somit lehnte sich der gustavianische Stil stark an den französischen Klassizismus unter Louis XVI an. Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine Erneuerung dieses Stils, der bis heute an Beliebtheit nichts eingebüßt hat, wenn man vor allem an das umfangreiche Angebot – antik und neu - von Möbeln im gustavianischen Stil denkt. Das hier gezeigte Silberservice im gustavianischen Stil stammt aus Stockholm von 1898.

Gustavian

H

Herme:

Aus dem Griechischen. Es bezeichnet eine Statue mit Kopfbildnis und Schulter, der Rest, also der Rumpf ist als Säule gefertigt. Quasi eine Büste auf rundem oder eckigem Unterteil. Seit der Spätrenaissance wird die Herme in der Silberschmiedekunst als Ornament oder Henkelzier verwendet, auch sieht man sie oft in Verbindung mit Siegel- bzw. Petschaften.

Herme

Hotelsilber:

Siehe Neusilber.

K

Kannelierung:

Die Kanellierung ist eine Verzierung, die aus senkrechten, parallel verlaufenden Rillen besteht. Das Goldschmiedehandwerk des Klassizismus und des Empires übernahm dieses Dekor aus der Säulenarchitektur der Antike. Wir finden es auf Leuchterschäften, Kannen und Dosen. Auch später waren und sind Kannelierungen sehr beliebte Dekore für Silberobjekte.

Kannelierung

L

Leopardenmarke:

Seit 1544 die Stadtmarke für London. Von 1544 bis 1821 ist der Kopf berönt, danach wird er ohne Krone gestempelt. Das Aussehen des Kopfes wird über die Jahre leicht verändert. Begleitet wird die Stadtmarke durch den lion passant, den Jahresbuchstaben und das Meisterzeichen des Silberschmiedes/Firma. Von 1784 bis 1890 kommt eine 5. Marke hinzu, eine Steuermarke, die den Kopf des jeweiligen Regenten zeigt.

Lion Passant

Der lion passant, der nach links schreitende Löwe ist das englische Silbergarantiezeichen für Silber 925, den Sterlingstandard, der 1544 etabliert wird. Er löste den bis dahin geltenden Leopardenkopf, die sogenannte „King´s Mark“ ab, der die Feingehalte von Gold und Silber bis dahin für das gesamte Königreich garantierte. Ab1544 wird die Leopardenmarke als Stadtmarke für London gestempelt. Lesen Sie dazu ausführlicher im Magazin „Englische Silbermarken, die Punzierung im Vereinigten Königreich“.

Lion passant

M

Mundzeug:

Der Begriff Besteck bezog sich ursprünglich auf das Futteral, das Etui oder den Köcher, die mit den mitgeführten Essutensilien „besteckt“ waren. Bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als es aufkam ganze Sätze von einem oder mehreren Duzend Bestecken herzustellen, hatte jeder, unabhängig von Stand und Vermögen, sein eigenes Besteck, das er sowohl Zuhause benutze, als auch mit sich nahm, wo immer er hinging – Gasthaus oder Reise. Wird ein Etui oder ein Koffer neben dem dreiteiligen Besteck mit weiteren Tafelutensilien, wie Eierbecher, Gewürzdose, Marklöffel sowie auch oft einem Trinkbecher, komplettiert, spricht man von Mundzeug. Die schönsten und aufwändigsten Mundzeuge kommen wohl aus Augsburg. Im napoleonischen Frankreich stecken Reisebestecke und Mundzeuge gerne in tonnenförmigen Etuis, die sowohl aus Leder, als auch aus Holz gefertigt wurden. In der "Tonne" ist immer ein Becher, in dem sich wiederum eine Einteilung aus Stoff, Leder oder Holz befindet, in dem die Utensilien gesteckt werden werden. Anders als bei den flachen Etuis, ist das Besteck hier entweder zusammenklappbar oder Klinge und Zinkenn sind vom Griff abnehmbar, damit die Sache nicht zu hoch wird.

Mundzeug

N

Neusilber:

Neusilber enthält entgegen seinem Namen kein Silber, sondern ist ein silberähnlich aussehendes Metall aus einer Legierung, die aus 60 Prozent Kupfer, 20 Prozent Nickel und 20 Prozent Zink besteht. Neusilber hat eine hohe Festigkeit und ist weitgehend korrosionsbeständig und wird daher gerne als Tafelgerät in Hotel und Gastgewerbe eingesetzt, das sogenannte Hotelsilber. Verwandte Begriffe für Neusilber sind auch Alpacca und Nickelsilber, wobei hier Zink kein zwingender Bestandteil der Legierung sein muss.

O

Orfèvre:

Aus dem Französischen übersetzt Goldschmied, aber auch Juwelier. Die klassische Einteilung des Gold- und Silberhandwerkes stammt aus Frankreich des 16. Jahrhunderts. Stellte ein Goldschmied vorwiegend große Gerätschaft her wurde er als Orfèvre Grossier bezeichnet. Für Schmuck und Dosen war der Orfèvre Bijoutier zuständig und beschäftigte sich der Goldschmied vorwiegend mit der Fassung von Steinen, nannte man ihn Orfèvre Jouallier, das was heute ein Juwelier ist.

P

Pyr:

Der Pyr, die Zirbelnuss ist das berühmte Beschauzeichen der Stadt Augsburg. Der Pyr schmückt auch das Augsburger Stadtwappen, von hier wurde es für das Beschauzeichen übernommen. Er dokumentiert bei einem Silberobjekt einerseits den Herkunftsort Augsburg, gleichzeitig garantiert er den Silberfeingehalt von 13 Lot (812,5/1000). Ein Pyr zusammen mit der Zahl 13 für 13 Lot auf einem echten Augsburger Objekt, gibt es nicht. Der von der Goldschmiedezunft bestimmte Geschaumeister überprüfte den vorgeschriebenen Silberfeingehalt mittels einer Silberprobe – dem Tremulierstrich – und schlug dann die Stadtmarke als Zeichen der Garantie für den Silberfeingehalt ein. Von 1529 bis 1734 gibt es den Pyr in vielen Varianten mit teils nur minimalen Unterschieden für Zeitperioden zwischen 1 und 10 Jahren. Ab 1734 wurde der Pyr erstmals mit einem Buchstaben des Alphabetes kombiniert, was die Erkennung und Zuordnung erleichtert. Es gibt vier Alphabete von A-Z mit Ausnahme des J, das fünfte Alphabet endet mit dem Buchstaben D für 1868. Das Beschauzeichen Pyr steht immer in Kombination mit dem Meisterzeichen. Lesen Sie ausführlich über das Thema bei Augsburger Silbermarken hier im Magazin.

Pyr

R

Roncaillen:

Rocaille kommt aus dem Französischen und bedeutet Muschel- und Grottenwerk. Ein typischer Ornamentschmuck des 18. Jahrhunderts, der, inspiriert durch die Grottenarchitektur (künstliche Grotten als Schauräume in  Schlössern und Schlossgärten), aus asymmetrisch gegeneinandergesetzten C- und S-Schwüngen besteht, begleitet von Muscheln, Schaumkämmen und verschiedenen Pflanzenmotiven. Das Rocaille-Dekor gab es schon zu Renaissancezeiten, wurde jedoch im Spätbarock, im Rokoko zu einem der wichtigsten Schmuckelemente. Eine Verzierung, die auch im Historismus wieder sehr beliebt wurde. „Style rocaille“ ist der französische Begriff für das deutsche Rokoko. Links außen eine Dose von 1665 mit Rocaille-Elementen, daneben eine Huiliere von 1775, ein nadhgearbeiteter Leuchter im Stil des Rokoko von 1870 und eine Sauciere aus dem Jahr 1881. 

Rocaille

S

Salver

Salver ist der englische Begriff für Anbiettablett, wobei sich das Wort Salver für diese meist runden und auf kleinen Füßen stehenden Platten/Tabletts auch in Deutschland durchgesetzt hat. Beschreibungen in Auktionskatalogen wie „Portugisischer Salver“ etc, belegen dies. Auch in der Silbersuite verwende ich diesen Namen. Salver mit ihrem flachen Spiegel und den 3 bis 4 Füßen an den Rändern sind vor der Regentschaft von König Georg I (König von Großbritannien ab 1714) kaum zu finden. Im 17. Jahrhundert hatten die Salver einen dicken Mittelfuß, etwas, was wir heute eher als Tazza beschreiben würden. Sieht man mal von den ganz frühen, schlichten und kaum dekorierten Salvern aus den Anfangszeiten des 18. Jahrhunderts ab, entwickelte sich für diese, meist runden Anbiettabletts ein Dekorationsstil, der sich ab ca. 1740 etablierte und bis ins 20. Jahrhundert beibehalten wurde. Der runde Spiegel, mit Gravuren verziert oder sehr oft mit aufwändigen Wappen und Familiencresten versehen, wird von einem geschwungenen Rand umgeben, der vielfach ein Muscheldekor zeigt. Dagegen sind ovale und viereckige Salver relativ selten.

Salver

 T

Tremulierstrich:

Der Tremulierstrich ist die auf manchen alten Silberobjekten sichtbare Zickzacklinie, die entstand, wenn bei der Beschau des Stückes der Geschau-oder Beschaumeister, Material für die Stichprobe entnahm. Da Silber im reinen Zustand zu weich für eine Verarbeitung ist und nur in Verbindung mit anderen Metallen (Legierungen) verarbeitet werden kann, wurde nach dem Einschlagen des Meisterzeichens der jeweils vorgeschriebene Silberfeingehalt (das kann pro Stadt und Land variieren) überprüft, indem der Beschaumeister, der von den Zünften eingesetzt war, mit einem Flachstichel eine Silberprobe entnahm. Dabei entstand die Zickzacklinie. Erst nach dieser Probe erhielt das „stichhaltige“ Stück die entsprechende Stadtmarke, bzw. den Feingehaltsstempel, das Beschauzeichen.

Tremulierstrich

V

Vermeil:

Die französische Bezeichnung Vermeil für Purpur wurde zum allgemeinen Begriff für feuervergoldetes Silber. Die Feuervergoldung ist ein sehr altes Verfahren um Silber zu vergolden. Es war bis zur Erfindung der galvanischen Vergoldung die einzige Möglichkeit einen Silbergegenstand –teilweise oder ganz – dauerhaft zu vergolden. Die Feuervergoldung ist die edelste Form der Vergoldung. Dabei wird Goldamalgam als breiige Masse auf das Silber gestrichen. Feuereinwirkung lässt aus dem Goldamalgam das Quecksilber verdampfen und bindet das verbleibende reine Gold unlöslich auf die Silberfläche. Es entsteht eine Vergoldung mit rötlicher (Purpur), tiefer, strahlender Leuchtkraft und typischer Dichte und Lebendigkeit. Das Problem bei diesem Verfahren sind die Quecksilberdämpfe, die zur schleichenden Vergiftung des Körpers der Goldschmiede führten.Die Erfindung der galvanischen Vergoldung Anfang des 19. Jaharhundert verdrängte die Feuervergoldung. Die Feuervergoldung heute nur noch höchst selten angewandt und unterliegt strenger Auflagen. Zur Beruhigung – die fertige Feuervergoldung enthält keine giftigen Schadstoffe mehr und Gegenstände aus Vermeil, wie Becher oder Teller, können unbedenklich benutzt werden.

Vermeil

W

Watteau-Motive:

Jean-Antoine Watteau (1684-1721) war Maler des französischen Barocks. A. Watteau schuf mit seinen Schäferszenen, galanten Liebespaaren, Schauspielerdarstellungen, ländlichen Vergnügungen, Ball- und Jagdgesellschaften eine neue Gattung der Malerei: Die „Watteaumalerei“. Er beeinflusste damit nicht nur die Mode für Kleidung und Frisuren dieser Zeit, seine Bilder standen auch Pate für etliche kunsthandwerkliche Arbeiten, nicht zuletzt beim Silber. Im Historismus, in dem gerade der Barock und das Rokoko eine Renaissance erlebten, entstanden wieder romantische Silberobjekte mit Watteau- Motiven.
 Watteau

Z

Ziselieren:

Beim Ziselieren wird mittels eines Hammers und Ziselierpunzen ein Muster in das Silber getrieben, so dass reliefplastische Dekore entstehen. Das kalte Silber liegt dabei auf einer weichen Unterlage oder einer Ziselierkugel, Hohlkörper, wie Becher werden mit Ziselierkitt, der erwämt weich bleibt, ausgekleidet. Dadurch kann die Ziselierpunze mit dem Hammer weich und gleichmäßig im Metall vorwärtsbewegt werden. So entsteht ein Relief ohne Materialverlust (im Gegensatz zum Gravieren). Der Name Ziselierung leitet sich vom französischen Wort „ciseau“ für Meißel ab. Ziselieren ist eine sehr alte Technik, die bereits die frühen Hochkulturen aus der Bronzezeit kannten, um kostbare Schmuckstücke herzustellen. Durch alle Kulturepochen haben Gold- und Silberschmiede diese feine und zeitaufwändige Technik angewendet. Von der Renaissance bis zur Jugendstilepoche entstanden so kunstvolle Buchbeschläge, Wappen, Kerzenleuchter, Pokale, Dosen, etc. Heute ist der Beruf des Ziseleurs, ganz anders als der des Graveurs, so gut wie ausgestorben, seine Arbeit übernehmen Maschinen.

Zieselierung