Leben mit Silber

Dosen-jetzt

Gebraucht, geliebt, gesammelt - Dosen aus 4 Jahrhunderten

Es gibt keine Zahlen darüber, aber ich behaupte mal, von keinem menschengemachten Gegenstand gibt es so viele, verschiedene Varianten, wie von Dosen. Wobei ich hier in diesem Silberdosen-Special, die Kisten und Kästen, die Schatullen und Schachteln, die Boxen und Büchsen und die Etuis, großzügig zu der Familie der Dosen mitzähle. Für alles, was wir verpacken, sammeln, horten, verstecken, aufbewahren, verstauen, zusammenhalten, mitnehmen oder schützen möchten, braucht es eine Dose. Von der Büchse der Pandora, aus der Antike, die der griechische Mythologie zufolge alles Übel dieser Welt enthielt und die wohl aus Tonerde gewesen sein muss, bis hin zur Tupperbox der Neuzeit, in der wir das Kartenbox-Chester-lifeSchulbrot unserer Kinder packen oder die Pizza vom Vortag aufbewahren, Dosen begleiten die Geschichte und das Leben der Menschen zu allen Zeiten. Sie wurden und werden aus allen möglichen Materialien gemacht: Ton und Stein, Eisen und Papier, Holz, Horn und Elfenbein, Porzellan und Plastik, aus Blech oder Gold - und natürlich auch aus Silber. Obwohl alle hier gezeigten Silberobjekte aus vergangenen Zeiten stammen, unterscheide ich zwischen Dosen, die wir auch heute noch oder wieder, zwar nicht unbedingt brauchen, aber dennoch gerne benützen und solchen, die eher kaum zu gebrauchen sind, aber um so mehr, heiß geliebte Sammlerstücke sind. Und manchmal verwischen sind die Grenzen auch. So wie bei der Dose auf dem großen Bild links. Diese seltene Vermeil-Barockdose stammt aus Augsburg von 1686 und wurde als ewiger Kalender, als "Perpetuum Calendarium", gefertigt. Das bedurfte astronomisches Wissen, ausgefeilte Technik und meisterliche Gravur-Kunst des Silberschmiedemeisters Josef Herterich. Vorder-und Rückseite bestehen jeweils aus zwei Scheiben, fixiert durch den Rand und einen Stift in der Mitte und lassen sich so gegeneinander verschieben. Vorne sehen wir die Wochentage und Monatsdaten, sowie die astronomischen Symbole der Himmelskörper, denen ein Wochentag zugeordnet wird - Sonne-Sonntag, Mond- Montag, Mars-Dienstag usw. Auf der Rückseite befinden sich die Sternzeichen, die Namen der Monate, sowie Tag-und Nachlänge und die Zeit des Sonnenaufganges und Sonnenunterganges. Ein meisterliches Kleinod, das das Herz eines Sammlers höher schlagen lässt und man dennoch Dinge, die einem wichtig sind, darin bewahren kann. Daneben steht eine schwere Teeschatulle aus Hannover um 1850. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gehörte es zum guten Ton, dass die Hausfrau selbst den Tee vor den Gästen zugereitete. Diese Zeremonie war verantwortlich für allerlei silberne Geräte, zusätzlich zur Teekanne. Allen voran die Teedosen. Da je nach Tageszeit, Wochentag oder dem Geschmack der Gäste, verschiedene Teesorten angeboten wurde, hatte man oft Holzkisten oder Silberschatullen mit mehreren Dosen. Unsere Schatulle hat drei Fächer, von den zwei, je eine Teedose passgenau beherbergen. Das dritte Fach in der Mitte ist leer und war wohl, vergleichbar mit der dritten, größeren Dose bei der englischen Teedosenserie, für die Zuckerstückchen gedacht.  Für das Foto habe ich es als Gebäckfach verwendet.

Kleine Bilder von links nach rechts: Zu der Kategorie "Reisedosen" und damit sicher auch ein Sammlerstück, gehört das Reisetintenfass aus London von 1842. Innen, zwischenSeifendose-Birmingham Deckel und einer weiteren Silberplatte ist Leder eingesetzt. Wenn jetzt die Dose mit der Silberschraube zugedreht wird, konnte auch bei holpriger oder stürmischer Fahrt absolut nichts auslaufen. Ein entzückendes Objekt für eine Dame ist die reich verzierte und vergoldete Pariser Dose um 1880, in Form einer Lupe, früher als Schminkdöschen benutzt, heute wohl eher eine Pillendose. Aus London von 1912 stammt die dekorative Seifendose - oder besser gesagt Seifenkugel. Unverändert in dieser Form und Gestaltung stand sie in England, oft zusammen mit einer fast identischen Schwammkugel, in den vergangenen 4 Jahrhunderten, in den "bath rooms" der feinen Gesellschaft. Wenn diese auf Reisen ging, tauschte man die Kugel gegen eine verschließbare Seifendose in flacher Form. Durch die durchbrochene obere Kugelhälfte, ist diese Dose auch perfekt als dekoratives Potpourrie zu verwenden. Sehr ausgefallen und so von mir noch nie gesehen, präsentiert sich die "2 in 1 - Dose", die Zigarrenetui und gleichzeitig ein Flachmann ist. Das so ein Stück aus England, genau gesagt aus London 1916 von Goldsmiths  & Silversmiths, eine der besten Silberfirmen dieser Zeit, kommt, verwundert niemanden, der englisches Silber liebt und sammelt. Während so ein aufsehenerregender Begleiter praktische Dienste im Alltag und auf der Reise leistet, sind die meisten Zigarettenetuis, sofern sie ausgefallen und interessant sind, heute oft nur noch Sammelobjekte.

IMG 0010-aaDie Zeit der Gentlemen, die ganz selbstverständlich ihr elegantes Silberetui zückten und sich und der Dame, die ihn begleitete, galant eine Zigarette anzündeten, sind endgültig passé. Zigarettenetuis waren immer ein sehr persönlicher Gegenstand, bei dem sich Ansichten, Vorlieben und Leidenschaften des Benutzers wiederspiegelten. Emailetuis mit erotischen Szenen, Hunden oder Pferden, Etuis mit Jagd- Segel- oder Golfmotiven oder die Etuis, die mit Ihren aufwändigen Wappen und bekrönten Monogrammen dem Gegenüber ohne Worte mitteilten, wer vor Ihnen rauchte, zeugen davon. Auch politische Statements waren davon nicht ausgenommen, wie unser Moskauer Etui mit graviertem Leninbild zeigt. Auf der, nach einem berühmten Bild, fotografiert 1920, original nachempfundenen Porträt-Gravur, ist Lenin 50 Jahre alt. Das Etui war ein Hochzeitsgeschenk, die russische Widmung auf der Rückeite: lautet: "Für viele Erinnerungen zum Tag der Hochzeit 15.3.1927". Da war aus Russland bereits die Sowjetunion geworden, Lenin tot und eine Legende.

Bevor die Zigarette um 1865 auf den Markt kam, wurde Tabak, neben den Zigarren, die schon im 18. Jahrhundert geraucht wurden, vor allem geschnupft. Das war die große Zeit der Tabatieren oder Snuff Boxes, wie der englische Name es treffend beschreibt. Kaum ein Silberbereich wurde von den Gold- und Silberschmieden mit so viel Kreativität und Ideenreichtum umgesetzt. Ein wunderbares Sammelgebiet - kann aber auch kostspielig werden. Die prunkvollen Tabatieren der Könige und Kaiser vergangener Zeiten, mit Edelsteinen besetzt und mit Gold bekrönten Herrscherporträts versehen, werden auf heutigen Auktionen mit sechsstelligen Summen zugeschlagen. Ganz so Fürstliches hat die Silbersuite nicht im Angebot, aber dennoch ein ganz besonderes Stück:

Tabatiere-Schloss-Lord-Byron

Eine englische Snuff Box aus Birmingham 1845 , eine sogenannte castle-top box. Das sind höchst aufwändig gefertigte Dosen mit einer Besonderheit, die um dieseCardcase-St-neu Zeit aufkam und berühmte Schlösser und Sehenswürdigkeiten in kunstvoller Reliefarbeit und feinster Gravur, als Silberbild auf dem Deckel zeigt. Diese Tabatieren, zu groß, zu schwer, zu prächtig für die Hosentasche, waren Tischdosen, aus denen man sich nach dem Dinner, im Rauchzimmer bediente. Auf unserer Dose befindet sich die Ansicht von Newstead Abbey, das Lord Byron 1798 als Herrensitz erbte und dort (zuweilen) wohnte, schrieb und malte. Reliefartige Schlossbilder auf auch sonst üppig verzierten Dosen, finden sich übrigens nicht nur auf Tabatieren, sondern auch auf Card Cases, den englischen Visitenkartenetuis. Der wohl berühmteste Hersteller für diese dreidimensionalen Reliefarbeiten war Nathaniel Mills aus Birmingham, dessen Werke, damals wie heute, doppelt so hochbewertet werden, wie von anderen Firmen. Ein Vistenkartenetui von ihm mit der Ansicht der St. Paul´s Cathedral in London, finden Sie auch in unserem Warenangebot.

Silberliebhaber, die, ganz nach dem Motto der Silbersuite "Leben mit Silber", gerne bereit sind, für eine frühe holländische Gebäckdose, eine schwere Teedose oder eine seltene Züricher Empire-Zuckerdose gutes Geld auszugeben, staunen nicht selten über die Preise, die bei "unnützen" Kleinigkeiten oder Leichtgewichten zu finden sind . Sammler dieser Objekte wundern sich nicht.

Sammlerdosen

Zu diesen sammelwürdigen Kuriositäten gehören seltene Aromatas, Duftdosen, wie zum Beispiel das Döschen aus Nürnberg von 1825 oder der originelle Gliederfisch, der in dieser Form auch oft als Besamimdose zu finden ist (sehen Sie dazu auch den Magazinaratikel "Aromatas"). Klein, leicht, viel benützt, aber gesucht und geliebt, sind auch die frühen Muskatnussdosen mit Reibe, hier ein Beispiel aus London von 1803, die inzwischen nicht nur eine Fangemeinde in England haben. Ein must have für einen Sammler von Spardosen ist sicher auch diese seltene "Hundehütte", deren Inhalt von einem wachsamen Hund beschützt wird. Die Sparbüchse, die damals für ein Kind gedacht war, wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus relativ dünnem Silberblech gefertigt. Der Hund aber ist sehr fein gestaltet und detailgetreu ausgearbeitet. Seltenheit und Wert können hier wohl nur die Sammler bemessen.

24 sehr verschiedene Dosen - vielleicht finden auch Sie ein "neues" Lieblingsstück.

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