Leben mit Silber

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Gib dem Silber Zucker (und dem Zucker Silber)

Schon immer hatte der Mensch eine Vorliebe für Süßes. Der Weg des Zuckers, von der teuren Medizin, über kostbares Gut für Reiche und Mächtige bis zum Verantwortlichen für etliche Volkskrankheiten, war lang: Schon in grauer Vorzeit entdeckte man, dass der Saft verschiedener Pflanzen süß schmeckt, allen voran der des Zuckerrohres, das zu den ältesten Kulturpflanzen überhaupt gehört. Die Inder dickten den Rohrsaft ein, sodass sich Kristalle bildeten und nannten dies „Sarkara". Von diesem Wort im Sanskrit ist die Bezeichnung Zucker in fast allen Sprachen abgeleitet. Von Indien kam der Zucker nach Persien und zu den Arabern, die ihn an den Küsten des Mittelmeerraumes anbauten. Hier wurde auch das Verfahren entwickelt, mittels kegelförmigen Tonformen den braunen Sirup vom Rest zu trennen. Das Ergebnis war ein schneeweißer, harter Zuckerhut. Durch die Kreuzzüge erreichte der Zucker das Abendland und wenig später blühte der Zuckerhandel aus dem Orient über Venedig nach Mitteleuropa. Erst war er ein teures, in Apotheken zu kaufendes Arzneimittel und Zuckerdosenwurde dann und blieb es lange Zeit, ein absoluter Luxus. Auch als Kolonialware, konnte das sogenannte „Weiße Gold", das jetzt vornehmlich aus der Karibik und Brasilen nach Europa gelangte und hier in Siedereien zu Zuckerhüten verarbeitet wurde, die Nachfrage nicht decken, dem entsprechend war der Preis. Bis 1747 der Berliner Chemiker Andreas Sigismund Marggraf den Zuckergehalt der Runkelrübe entdeckte und durch Züchtung zur Zuckerrübe machte. Franz Carl Achard, ebenfalls Chemiker schuf die Grundlagen zur industriellen Zuckerproduktion – die erste Rübenzuckerfabrik entsteht 1801 in Niederschlesien – Zucker wird zum Grundnahrungsmittel, allerdings erst nur für wohlhabende Bürger. „Gib dem Zucker Silber": Die Entwicklung von Gefäßen und Gerätschaften für Zucker ist eng verbunden mit der Einführung der Luxusgetränke Tee, Kaffee und Schokolade. Zur Silberkanne gehörte, dem Wert des Zuckers entsprechend, auch die Zuckerdose-schale-zange etc. aus Silber. Werfen wir hierfür einen Blick auf unsere „süße Tafel". Der Zucker, den man als ganzen Zuckerhut kaufte und der bis zu 1,50 Meter groß sein konnte, wurde mittels eines Zuckerhammers-oder hacke aus Eisen in kleine Stücke zerschlagen (oder auch gemahlen) und so in Zuckerdosen zu Tee und Kaffee serviert. Waren die Dosen zunächst nicht eigens für Zucker entworfen, entstanden um 1700 in Augsburg, wo bereits im 17. Jahrhundert die Silberschmiede edle Toilettendosen fertigten, die ersten, eigens für Zucker gearbeiteten Dosen. Oval, meist ohne Füße und auch oft noch ohne Schloss. Das kam Ende des 18. Jahrhunderts in Mode und blieb so in den Stilepochen des 19. bis hinein in die Anfänge des 20. Jahrhunderts. Unsere große, eiförmige Zuckerdose mit den Weinlaubverzierungen an Füßen und Griff stammt aus Berlin um 1850, hat Schloss und Schlüssel und eine perfekt erhaltene Innenvergoldung, der Zuckerkasten dahinter wurde rund 20 Jahre später gefertigt und kommt wohl ebenfalls aus Berlin. Beide Dosen konnten zu Ihrer Zeit bereits mit dem „modernen" Würfelzucker bestückt werden, der von dem aus Wien stammenden Jacob Rad, Leiter einer mährischen Zuckerfabrik erfunden wurde, nachdem seine Frau, die sich mal wieder beim Zerhacken des Zuckerhuts verletzt hatte, sich beklagte, warum es nicht möglich sei, gleich kleine Stücke Zuckes zu produzieren.

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Neben den Dosen werden auch die Schalen, mal mit mal ohne Deckel immer beliebter. Für England, Schottland und wie hier gezeigt auch Irland, sind die Zuckerkörbe typisch. Henkelschalen in Schiffchenform auf einem hohen Fuß. Relativ große Schalen, die sowohl für Zucker, als auch für Gebäck und sonstige süße Leckereien benutzt wurden und werden können. Eine spezielle Form der Zuckerschale, war die, vor allem in Venedig vorkommende, ovale Schale, an deren „Ecken" außen vier Halterungen für Löffel angebracht wurden. Unsere Schale, die um 1820 gefertigt wurde, ist ein Paradebeispiel dafür. Wie fast bei allen Schalen mit Löffelhalterungen, sind auch hier die Löffel als Erstes verloren gegangen. Wir haben schön passende Ersatzlöffel aus England dazu kombiniert, die mit der Schale mitgeliefert werden. Ein anderes Beispiel für eine Zuckerschale mit Löffeln ist die große, runde Fußschale aus Brünn um 1770, die von einem Gardisten mit Hellebarde bekrönt wird, der auf dem sogenannten Löffelkranz steht, in den 6 Teelöffel passen. Diese Schalen wurden sowohl für Zucker als auch als für Konfitüren benutzt.

ZuckerstreuerDie ersten Zuckerstreuer stammen aus Frankreich. In der französischen Encyclopédie aus dem 17. Jahrhundert steht ein „sucrier" für Streudose. Auch in England lassen sich „sugar caster" erst um 1800 nachweisen. Der große Zuckerstreuer auf dem Tisch dagegen ist ein Kind des 20. Jahrhunderts, er wurde in Kopenhagen 1923 von Evald Nielsen gemacht. Zucker & Sahne als Set gehören heute so selbstverständlich zum Kaffee, wie auch schon die letzten 3 Jahrhunderte davor. Das hier gezeigte Set mit seinen feinen Elfenbeinergänzungen ist durch seine Größe, seine kleine Größe! sehr ausgefallen und passt so perfekt zur Mokkakanne oder der Espressotasse.

Zu den „Zuckergerätschaften" gehören die Zuckerlöffel-und schaufeln, die Streulöffel und natürlich die Zuckerzangen. Bei den Zuckerzangen, die zuerst schlichte Scheren mit schmucklosen Greifern waren, setzten sich bald die U-förmige Zuckerzange durch, bei der die Silberschmiede viel Fantasie und Einfallsreichtum walten ließen. Die Greifer wurden meist als Löffel, „Waffeln" oder Klauenfüße gestaltet. Wir haben dafür jeweils ein Beispiel: Die Löffel-Zange aus London 18. Jahrhundert, die Moskauer Zange von 1870 mit den Waffelgreifern und die Klauenfüße bei der vergoldeten Zuckerzange aus Paris um 1850.

Zucker-Sahne-SetDas Zucker in unserer heutigen Zeit einen so schlechten Ruf hat, liegt an der Unmäßigkeit seines Einsatzes. 175 Millionen Tonnen Zucker werden pro Jahr produziert. Wurden um 1870 in Deutschland pro Kopf noch circa 6 Kilo Zucker verbraucht, sind es heute rund 40 Kilo. Dabei ist es nicht der Zucker, den wir in der Küche benützen, der die Zahlen hochtreibt, sondern der „Versteckte"  - in Fertiggerichten, Softdrinks, Chips, Wurst- und Backwaren – die Liste wäre ewig lang, den uns die Industrie aufbürdet. Darauf kann ich gerne verzichten! Nicht verzichten werde ich auf den den Löffel Zucker in meinen Espresso oder über die Erdbeeren oder den Genuss einer Praline oder eines Stück Kuchens. Und ganz sicher möchte ich auch nicht auf das Silber verzichten, in dem der Zucker so schön und stilvoll aufbewahrt und angeboten wurde und heute noch wird.

Hoch lebe das „Dolce Vita"!

 

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