Leben mit Silber

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Goldstücke - Silber im Goldgewand

 

Es ist Gold, was hier glänzt – Gold mit und auf Silber. Schon in der Antike kannte man das Verfahren der Metallvergoldung. Da zu allen Zeiten Gold zu den wertvollsten Metallen gehörte und in reiner Form für die Fertigung von Gebrauchsgegenständen zu weich war, wurden selbst in den reichsten Königs- und Fürstenhäusern das Tafelgeschirr und allerlei anderer Zier, meist aus Silber gearbeitet, das dann eine prächtige Vergoldung bekam. Neben vielen, nur Nebenrollen spielende Techniken, unterscheiden wir beim Silber die frühe Feuervergoldung, das Vermeil und die „moderne" neuzeitliche Galvano-Vergoldung.

Es gab viele, recht unterschiedliche Gründe einen Silbergegenstand zu vergolden oder auch nur teilweise zu vergolden. Die Rundumvergoldung eines Silberobjektes ist rein äußerlich nicht von einem reinen Goldobjekt zu unterscheiden. Der warme Glanz von Gold war Symbol für Sonne, Licht, für Beständigkeit und Weisheit, aber auch zwei-becherimmer ein Statussymbol für Reichtum, Macht und Überlegenheit. Später entdeckten die Silberschmiede die dekorativen Möglichkeiten der Allianz von Silber mit Gold und schufen schöne und hoch interessante Stücke aus vergoldetem Silber in Verbindung mit (man spricht hier von) Weißsilber. (Links im Bild ein Becher aus Augsburg von 1680 in Silber und Vermeil, rechts ein Weinpokal aus Berlin um 1890 in Silber vergoldet mit Weißsilberapplikationen.)

Zudem gab es ganz zweckmäßige Gründe, denn Gold gehört im Gegensatz zu Silber zu den korrosionsbeständigsten Metallen. So ist es ideal für Innenvergoldungen von zum Beispiel Terrinen, Salzgefäßen und Kellen, aber auch Obstschalen und Dosen. Gleichzeitig ist Gold geschmackneutral. Wer sehr empfindliche Geschmacksnerven hat, wird beim Silberbesteck – und hier nicht nur beim Eier essen, beim Wein im Silberbecher und dem Tee aus der Silberkanne einen leichten metallischen Geschmack verspüren. Bei Tee- und Kaffeekannen hilft es schon, wenn Sie das Innere nicht säubern, sondern dem Tee und Kaffee erlauben, seinen dunklen Belag um das Silber zu legen und es damit zu versiegeln. Sie werden aber, genau aus diesem Grund, auch öfters Kannen mit einer Innenvergoldung finden.

Vergoldung-Teekannen

Aber bleiben wir noch einen Moment bei den zwei sehr unterschiedlichen Vergoldungstechniken:

Die Feuervergoldung: Dieses sehr alte Verfahren, das bereits die Ägypter kannten, war bis zur Erfindung der galvanischen Vergoldung die einzige Möglichkeit einen Silbergegenstand -teilweise oder ganz – dauerhaft! zu vergolden. Die französische Bezeichnung Vermeil, was Purpur bedeutet, wurde später der allgemein übliche Begriff für feuervergoldetes Silber. So bezeichnen wir es auch in unserer Warenbeschreibung. Die Feuervergoldung ist die edelste Form der Vergoldung. Dabei wird Goldamalgam als breiige Masse auf das Silber gestrichen. Feuereinwirkung lässt aus dem Goldamalgam das Quecksilber verdampfen und bindet das verbleibende reine Gold unlöslich auf die Silberfläche. Den unvergleichlichen Glanz mit der tiefen, strahlenden Leuchtkraft und der typischen Dichte und Lebendigkeit, bekommen die Stücke aber erst durch eine aufwändige Handpolitur mit Poliersteinen, wie Blutstein oder Hämatit, bei der die dabei entstandenen Unebenheiten der Oberfläche geglättet werden. Das Problem bei diesem Verfahren sind die Quecksilberdämpfe, die zur schleichenden Vergiftung der Goldschmiede führte. Daher wird diese sehr aufwändige und teure Art der Vergoldung heute nur noch sehr selten angewandt (Aufträge aus Königshäusern, Restauration für Museen und Kunstsammlungen) und unterliegt strengen Auflagen für Mensch und Umwelt. Die fertige Feuervergoldung enthält keine giftigen Schadstoffe mehr und auch Tafelsilber aus Vermeil, wie Becher, Teller, Kannen und Besteck können unbedenklich benutzt werden. (Hier drei Beispiele aus unserem Warenangebot für feuervergoldetes Silber: 4 Mokkalöffel Reval 1876, die auch als Eierlöffel gut geeignet wären, Duftei deutsch um 1750, Ablageschale London 1802)

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Die galvanische Vergoldung: Heute entstehen fast alle Goldüberzüge durch das galvanotechnische Verfahren. Die galvanische Vergoldung beruht darauf, dass mit elektrischem Strom aus einer flüssigen Goldverbindung, dem Goldelektrolyt, das Gold als dünner Überzug auf das Silber übertragen werden kann. Die erste Vergoldung auf diesem Weg gelang 1805 Lodovico Gasparo Brugnatelli. 1834 gründeten die Engländer Georg und Henry Elkington in Birmingham den ersten Vergolderbetrieb. Sie erhielten 1840 das erste Patent zur "Abscheidung von Gold aus cyanidhaltigen Bädern". Diese Art der Vergoldung hat ab Mitte des 19. Jahrhunderts die alten Vergoldungsverfahren komplett verdrängt. Durch einen geringeren Goldverbrauch ist sie preiswert, die Technik relativ einfach und für den Hersteller mit keinen gesundheitlichen Risiken verbunden Nachteil der galvanischen Vergoldung ist die geringere Haltbarkeit als die des Vermeils, das auch den intensiveren Glanz besitzt. Die Galvanovergoldung ist wesentlich dünner und nutzt und putz sich so natürlich schneller ab. Dafür kann die galvanische Vergoldung jederzeit erneuert werden. Wenn Sie Bedarf haben, fragen Sie nach einem Galvano-Betrieb in Ihrer Nähe. (Hier drei Beispiele aus unserem Warenangebot für Galvano-Vergoldungen: Paar desert dishes, London 1905 mit Paar Serviertenringen Moskau 1900, 11 Muschelschalen Frankfurt und 12 Mokkalöffel Hamburg um 1900.)

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Nicht grundsätzlich, denn es gibt Ausnahmen, aber im Wesentlichen lässt es sich so zusammenfassen: Vergoldete Silberobjekte – ob nun ganz oder teilweise – die vor 1840/50 gefertigt wurden haben eine Feuervergoldung, ab ca. 1850/60 sind die Objekte in der Regel galvanotechnisch vergoldet.

Betrachten wir vor diesem Hintergrund die Silberobjekte auf unserem Magazinfoto. Auf dem linken großen Foto steht im Vordergrund ein Vermeil-Becher aus Paris um 1850. Die geradezu perfekt erhaltene Vergoldung mit dem schönen Purpurlüster lässt vermuten, dass dieser Becher gut behütet, sein Silberleben in einer Vitrine verbrachte.
 
Der Vermeil-Löffel aus Wien wurde um 1725 , also rund 100Loeffel-Vermeil-Wien Jahre vor der Erfindung des galvanischen Verfahrens vergoldet und man sieht hier, dass auch eine lang anhaftende Feuervergoldung bei ständigem Gebrauch sich über die Jahrhunderte  abnützt. Eine galvanische Vergoldung hätte allerdings nicht einmal ein Zehntel dieser Zeit überlebt. Im Hintergrund befindet sich ein exzellentes Paar Salieren aus Berlin von 1854/60, mit gut erhaltener Innenvergoldung. Es ist wahrscheinlich Vermeil, ganz sicher bin ich hier aber nicht. So könnte sie auch in späteren Jahren galvanisch erneuert worden sein. Deshalb schreibe ich auch hier vorsichtshalber in der Warenbeschreibung nur „teilvergoldet". Es bleibt dennoch ein ganz außergewöhnliches Paar mit Seltenheitswert. Im Hintergrund sehen Sie eine große Fußschale um 1900 gefertigt, die hier als Jardiniere fungiert und aufs Schönste den dekorativen Effekt der Kombination von vergoldetem Silber mit Weißsilber zeigt.

Die großen und kleinen Kellen und Streulöffel stammen aus verschiedenen Zeiten und haben sowohl Innenvergoldungen aus Vermeil, sowie galvanische Vergoldungen. Der schwere Pot-á-oille Schöpfer aus Lüttich von 1778, die Bowlenkelle mit dem langen Ebenholzgriff und der Dresdner Zuckerstreulöffel, beide um 1800, die kleine Saucenkelle mit der Preußenpunze von 1809 und auch der Durchbruchlöffel aus Norddeutschland um 1820 besitzen die alte Feuervergoldung, die Innenvergoldung des Schöpfers von der Firma Weißhaupt aus München um 1900 hingegen, wurde galvanisch vorgenommen.

EierbecherEin wunderbares Beispiel für eine Ausnahme finden wir in dem seltenen Doppeleierbecher, der von dem Hofgoldschmied Carl Klinkosch um 1870 in Wien gearbeitet wurde. Es handelt sich hier ganz eindeutig um eine Auftragsarbeit. Vorbild waren die Eierbecher - für ein liegendes und ein stehendes Ei - aus Augsburg des frühen 18. Jahrhunderts. Genauso wie die barocken Gegenstücke, war wohl auch dieser Eierbecher, Teil eines luxuriösen Reisekoffers. Um dem Vorbild auch beim Material gleich zu kommen, wurde der Becher mit der frühen Feuervergoldung versehen. Die Initialen des Auftraggebers HW oder WH, je nachdem wie man es liest, sind dekorativ, wie einmalig als Verbindungssteg der beiden Schalen eingearbeitet. (Links im Bild ein ganz typischer, barocker Eierbecher aus Augsburg von 1715, links das seltene Beispiel aus Wien um 1870.)

Darunter sehen wir eine Riechdose in Herzform, wie sie eigentlich typisch für Norddeutschland und Dänemark des 18. und frühen 19. Jahrhundert ist. Unsere Herzdose aber trägt die seltene Stadtmarke von Lingen im Emsland um 1750 und ist in Silber mit Vermeil-Elementen gearbeitet. So ist die Krone, der Fuß, die dekorierten Seitenbänder und die Einfassungen, die Kartuschen auf Vorder-und Rückseite und das Innere in Gold gehalten. Dosen dieser Art wurden gerne zu Hochzeiten oder Gedenktagen verschenkt, die Datumsgravuren 1774 und 1798 sind ein Hinweis dafür.

Das letzte Bild zeigt zwei sakrale Objekte, eine Doppel-Salböldose Versehdose-Augsburg-neuin Vermeil aus Frankreichs Provinz um 1850 und eine seltene Versehdose mit zwei Kammern und Schraubdeckeln, in Vermeil in Kombination mit Weißsilber aus Augsburg 1761. Gold steht im christlichen Gedankengut für Heiligkeit und Reinheit, Gold bleibt selbst rein, wenn es in Schmutz getaucht wird. Während die Doppel-Salböldose mit den scharnierten Klappdeckeln die Öle für die Firmung, Taufe und Priesterweihe enthielten, wurde in der Augsburger Dose in der unteren Kammer das oleum infirmorum für die Krankensalbung und in der oberen, flachen Kammer, die Hostie aufbewahrt. Zwei ausgefallene und historisch wertvolle Silberobjekte.
 

Und noch einen, nicht zu verachtenden Nebeneffekt, hat das vergoldete Silber. Während Silber schon dunkel angelaufen ist, glänzt das Gold noch in schönster Manier, sprich, es muss im Gegensatz zu dem silbernen Verwandten, nur sehr selten geputzt werden.

 

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