Leben mit Silber

Festtafel7

Prachtvoll gedeckt - Silber für die Festtafel


Im letzten Herbst bekamen wir eine Einladung zur Schleppjagd. Der „Fuchs" ist ein Reiter mit einem Ledersack, aus der die Losung für die Hundemeute tropft, verfolgt von Rotröcken hoch zu Pferde. Am Abend waren wir dann im kleinen Kreis, 12 Personen, zu einem Abendessen geladen. Das kleine Jagdschlösschen des Gastgebers liegt romantisch ganz versteckt im Wald. Zeigte es außen den morbiden Charme vergangener Tage, wurde wir im Inneren mit Glanz und Pracht überrascht. Silber, wohin das Auge blickte. Große Kandelaber und üppig dekorierte Jardinieren und Schalen auf den Anrichten, Silberbecher, Kannen, Terrinen und Platten auf dem großen Tisch. Trotz aller Opulenz und Silberglanz aber war es nicht zu fein oder gar vornehm,Jardiniere-Keller sondern eher ländlich und sehr gemütlich. Das Feuer im mannshohen Kamin und unzählige Kerzenleuchter warfen geheimnisvolle Lichtspiele auf Wände und Gäste. Gedeckt war nicht auf weißem Damast, sondern direkt auf dem rustikalen Eichentisch. Es gab keine Stühlchen mit Seidenbezug, sondern bequeme Sessel mit Lammfellen und auf dem Menü standen nicht Austern und Pasteten, sondern Kohlsuppe und Wildscheinbraten. Wundervoll – und ganz nach meinem Geschmack! Das sind Bilder, die im Gedächtnis bleiben und mich bei meinen eigenen Einladungen, sowie bei Gelegenheit auch zu einem Silbersuite-Artikel, inspirieren. Die Gelegenheit kam im Sommer, als mir erst das entzückendes Scherzgefäß in Form eines Eichkätzchens und wenig später sieben jagdliche Sturzbechern zum Kauf angeboten wurden. Als mir dann noch das Besteck mit Jägerattributen „über den Weg lief", hatte ich die Basis für mein eigenes „Jagdschlösschen-Festessen", zu dem ich Sie hier mit Vergnügen einlade.


Auf dem Menüplan stehen saisonale Genüsse aus Wald und Feld, die der Spätherbst jetzt frisch zu bieten hat:

Wintermenue-neu

Suppe-und-Besteck-KombiWir sind beim ersten Gang. Die massive (2,6 Kilo schwere), runde Jardiniere aus Paris um 1890 von dem berühmten Maison Gustave Keller, die hier mit Früchten dekoriert, zu Beginn den Tisch schmückte, macht dem großen Kürbis Platz, der als Alternative zur Silberterrine, als originelle Schüssel für die Suppe dient. Er steht auf einer französischen Silberplatte um 1820, der große Schöpfer dazu stammt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Das sechsteile Besteck für zwölf Personen hat, wie schon erwähnt, ein jagdliches Dekor: Zwei gekreuzte Gewehre über einer Zielscheibe, geschmückt mit zwei Lorbeerzweigen und mit einen Jägerhut bekrönt. Das Besteck wurde - nomen est omen- von der Firma Jäger aus Leuchter-mit Glasaufsatzen KopieViersen in den dreißiger Jahren gefertigt und kann und wird sicher auch Stadtmenschen begeistern. Auf dem Esstisch selbst, egal ob rund, oval oder eckig sind Leuchterpaare eigentlich immer die beste Wahl. Ich habe mich an diesen Abend für ein Paar Barockleuchter aus Augsburg entschieden, sehr elegant mit silbernen Kerzen. Sonst kann und darf wild kombiniert werden, je mehr Leuchter, je simmtungsvoller. Auf der Anrichte tragen drei ganz unterschiedliche Einzelleuchter mit Glasaufsätzen und dicken Kerzen zur romantischen Beleuchtung bei. Ein verzierter Barockleuchter, ein schlichter Empireleuchter mit Widderköpfen, beide aus Augsburg und ein glatter Leuchter aus Amsterdam von 1790. Durch Zufall einmal entdeckt, sind mir diese (neuen) Glasaufsätze, die es übrigens auch mit Hirschmotiv gibt, sehr lieb geworden. Die Kombination mit alten Silberleuchtern sieht nicht nur sehr reizvoll aus, sie erlaubt mir auch, das Silber im Garten und auf der Terrasse, quasi als Windlicht, einzusetzen und auch bei dieser Einladung muss ich die Kerzen auf der Anrichte nicht ständig im Auge behalten, sie brennen ruhig und gefahrlos nieder, ganz ohne die leidigen Wachsreste auf dem Silber.

Bei dieser Festtafel sind so einige Silberhighlights zu sehen, den jagdlichen Touch jedoch bekommt sie durch die Sturzbecher: Hirsche, Elch, Rehbock, Wildschwein, Steinbock und Gams zieren mächtig und prächtig die glatten, innen vergoldeten Kelche und bereichern sowohl als Einzelstück, wie als „wilder Haufen" jeden festlich gedeckten Tisch.

Sturzbecher2

Die Becher wurden in Hanau, von J.D. Schleissner Söhne gefertigt. Die Firma Schleissner ist die älteste, noch bestehende Silberwarenfabrik Hanaus. Sie wurde 1816 von dem aus Augsburg stammenden Johann Daniel Schleißner gegründet. Spezialität der Firma war die Ziselierkunst, also die Oberflächentreibarbeit von Silber mittels Punzen, mit der das Silber regelrecht modelliert werden kann. Sein Sohn Daniel Schleissner (1825-1891), der eine besondere Vorliebe für die Kunstepochen der Renaissance und des Barocks hatte, studierte deren alte Silberobjekte gewissenhaft und nutze dieses Wissen, um die Ästhetik der alten Handwerkskunst mit den modernen Manufakturtechniken zu vereinen und so feine, antike Stücke effizient zu reproduzieren. Die hessischen Großfürsten ließen bei Schleissner arbeiten und nach vielen Auszeichnungen auf nationalen und internationalen Ausstellungen wurde Schleissner die Würde eines Hof - Silberschmiedes verliehen. In dieser Tradition arbeitet die Firma noch heute. Tierkopfbecher gehören zu der Familie der Sturzbecher, eine Variante der Scherzbecher, so wie unser Eichkätzchen eines ist. Trinkgefäße in Form von Tierköpfen oder Fabelwesen, sind bereits seit der Antike bekannt, die sogenannten Rhytons. Unsere Sturzbecher aber haben ihre historische Herkunft beim englischen Stirrup Cup, dem Fuchskopfpokal. Wobei die Sturzbecher des 18. Jahrhunderts nur im geleerten Zustand abgestellt werden konnten. Die hier gezeigten Becher, die Anfang des 20. Jahrhunderts gefertigt wurden, sind so gearbeitet, dass sie auf den Kopf gestellt werden können, wo sie sicher stehenbleiben. Gut so, denn wir wollen den guten Wein, der aus den opulenter Weinkaraffen aus Portugal um 1920 eingeschenkt wird, schließlich genießen, anstatt ihn auf ex trinken zu müssen. Nach Fasan und leckerem, aber recht kalorienreichen Nachtisch – die Maronencreme wird ähnlich wie ein Tiramisu mit Mascarpone aufgeschlagen – ist ein Verdauungs-Schnaps sehr willkommen.

SchnapsflascheAuch diese seltene Schnapsflasche ist ein Hanauer „Kind". Hanau galt viele Jahrhunderte als herausragende Gold-und Silberschmiedestadt. Ihre große Blütezeit lag jedoch im Historismus. Bis zum 1.Weltkrieg wurden Fürstenhäuser in ganz Europa mit ausgefallenen Silberobjekten beliefert, meist in der Tradition vergangener Epochen. Neben Schleissner, sind bedeutende Firmen wie Neresheimer, Kreuter, Weinranck und auch Zwernemann, von dem diese Karaffe stammt, zu nennen. Die Karaffe aus mundgeblasenem und in geschwungenen Zügen geschnittenem Glas, zeigt eine ungewöhnliche Silbermontierung: Ein Satyr, ein sagenumwobenes Fabelwesen aus Mensch und Ziegenbock, der in der griechischen Mythologie als dämonisch und vor allem genusssüchtig gilt. Wer könnte besser auf den teuren Edelbrand aufpassen, als er. Auf dem Kopf balanciert er sechs Becher – von 1 bis 6 nummeriert und gestapelt - die von einer fein ziselierten Kappe behütet werden. Seine Augen blicken skeptisch auf den Balanceakt, ganz unbegründet, denn der 6. Becher ist mit dem Kopf verschraubt und dient so gleichzeitig als Verschluss. Ein ganz besonderes Stück, dass es nur selten, wenn überhaupt, zu sehen gibt.

Zum Abschluss wird Kaffee gereicht, in wahrlich (und im wahrsten Sinne) königlichen Kannen. Beide Kannen, es gibt noch eine dritte, selten große Kanne im Warenangebot, tragen auf der Tülle eine Königskrone mit den Initialen G.K.P. Den Auftrag für diese Kannen bekam der hannoveranische Silberschmied Carl Zell um 1835, der all seine Fertigkeit und Erfahrung bei diesen Kannen nach barockemKaffeekannen Vorbild, einbrachte. Aufwändiges Schlangenhautdekor überziehen die bauchigen, aber nicht runden Kannen, durch glatte, geschwungene Linien in vier Felder aufgeteilt, die mit Blumenornamenten, jeweils unterschiedlich pro Kanne und Seite, dekoriert sind. Die Kannen, die jetzt auf dem Tisch stehen waren Kaffeekanne und Heißmilchkanne und gehörten zusammen. Sie können sie als Paar erwerben, aber auch als Einzelkanne bekommen. Die dritte, eine Kanne, die ich in dieser Größe noch nie gesehenen habe (30 Zentimeter hoch, für zweineinhalb Liter Kaffee), wurde wohl etwas später dazu bestellt, für die größeren Gesellschaften. Da mit der Fertigung ein bekannter Silberschmied aus Hannover betreut wurde, liegt nahe, dass es sich bei dem Auftraggeber um ein Mitglied des hannoveranischen Königshauses handelte.

Immer im Hintergrund zu sehen und hier noch einmal in voller Schönheit gezeigt, die große Jardiniere mit Rosendekor aus der prunkvollen Zeit des Historismus um 1890. Sie hat einen (erneuerten) Kupfereinsatz und kann so mit echten, wie mit Kunstblumen dekoriert, aber auch richtig bepflanzt werden (Vorsicht, dann nur mäßig gießen). Ein echter Hingucker, der Pracht und Glanz in jedes Haus zaubert – durchaus auch in ein modernes.

Vielleicht inspirieren diese Beispiele auch Sie, wie damals mich der unvergessliche Abend im Jagdschlösschen, zu einer besonderen Festtafel mit Noblesse und ganz viel Silber – das würde mich freuen!

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Eine wunderbare Adventszeit und ein glanzvolles Weihnachtsfest wünscht Ihnen

Ihre Kerstin Fahrenson-Baaten

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