Leben mit Silber

Putti

Kitsch oder Kunst - Putten auf Silber

Ob etwas als schön empfunden wird oder eben nicht, liegt allein im Auge des Betrachters. Wie so vieles im Leben, ist es eine Geschmacksfrage. Putten jedoch, die seit der Antike bis in die Gegenwart uns überall in Kunst und Kunsthandwerk begegnen, als Kitsch abzutun, wäre ignorant und reichlich vermessen. Putten finden wir seit Jahrhunderten in Stein gemeißelt und Bronze gegossen, in Öl auf Leinwand verewigt, in Stuck gehauen, aus Holz geschnitzt und Porzellan geformt und natürlich  aus Silber gefertigt. Das Wort Putto entlehnt sich aus dem lateinischen Wort puttilus, Knäblein. Putten wurden gerne für allegorische Darstellungen verwendet, verkörperten antike Götter – Amor mit lieblichem Antlitz, etwas dicker und feister auch mal Bachus, den Gott des Weines. In der Antike waren es kindliche Eros-Figuren, die die Tempel zierten, in der Barockzeit paustbackige Knaben und Engel, die in den Kirchen und Schlössern Decken, Fresken und Geländer schmückten.

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Und wer kennt sie nicht, die berühmte Puttendarstellung, die beiden Kindesengel, auf Raffaels „Sixtinischer Madonna". Ob Raffael, der 1512 den Auftrag für sein Kunstwerk bekam, es gut gefunden hätte, das 500 später seine (Putten-) Engelchen, die sich so entzückend am unteren Bildrand „lümmeln", T-Shirts, Kaffeetassen, Einkauftaschen, Papierservietten und Handyhülle schmücken, ist eine andere, kitschige?? Sache.

Deckelhumpen-Hamburg

In der Barockzeit waren Putten im Kunsthandwerk allgegenwärtig und wenn wir uns die Silberobjekte dieser Zeit ansehen, ob nun aus Paris, Augsburg, Hamburg oder Wien, gibt es selten einen Humpen, einen Deckelpokal, einen Tafelaufsatz oder Kirchengefäß auf dem nicht mindesten ein Putto zu sehen ist. Wer sich heute für so ein Prunkstück interessiert, muss ins Museum gehen – im Grünen Gewölbe in Dresden tummeln sich Hundertschaften dieser „Knäblein" – oder Sie auf großen Auktionen erwerben, meist zu fünf- aber auch mal zu sechsstelligen Beträgen. Der „normale" Silberliebhaber hat aber durchaus dazu eine schöne Alternative. Denn Putten sind nie aus der Mode gekommen. Sie waren im 19. Jahrhundert genauso beliebt, wie im 20. Jahrhundert.

Dem Historismus, der ab ca. 1850 die Architektur und das Kunsthandwerk entscheidend prägte und bis ins 20. Jahrhundert nachwirkte, verdanken wir wunderbare Silberobjekte, die höchst kunst- und qualitätsvoll (und bezahlbar) dem Stil und den Attributen der historischen Vorbilder neuen Glanz verliehen. Ein prächtiges Beispiel dafür ist die große Jardiniere auf unserem Hauptbild. Im Stil des späten 18. Jahrhunderts, dem Rokoko gestaltet, mit zwei großen Puttenfiguren, ausladenden, unterschiedlich verschnörkelten Griffen und schwungvollen Seitendekoren, wurde sie im Jahr 1897 (die Produktionsnummer gibt genaue Auskunft) von der Firma Wilkens & Söhne in kleiner Auflage gefertigt. Der Messingeinsatz ist aufpoliert und mit Goldglanz zaponiert, was ihm auch nach vielfachem Bepflanzen sein Aussehnen bewahrt. Ein außergewöhnliches, wie prachtvolles Objekt, das als Einzelstück durchaus in sehr unterschiedliches Ambiente passt, inklusive modernem. Nachdem die Jardiniere für das Magazinfoto mit winterlichem Blumenschmuck so schön bestückt war, steht sie jetzt zu meiner Freude vorübergehend in meinem eher ländlich geprägtem Zuhause auf einem rustikalen Holztisch – und sieht aus, wie dafür gemacht. Toll!

Kandelaber-Putten
Das ein barockes Dekor, ein verspieltes und prunkvoll gestaltetes Silberobjekt auch in „fremder Umgebung" ein absolutes Highlight sein kann, bewies mir neulich ein imposanter Kandelaber, sehr ähnlich diesem hier gezeigten Leuchter, den ich in einem modernen Loft auf einem Designertisch stehen sah. Ein gekonnter Bruch mit Whow-Effekt. (Wer wagt, gewinnt.)

Unser fünfflammige Kandelaber hat einen mit Blumen dekorierten Fuß, auf dem sich vier Putten niedergelassen haben, die die kunftvoll verzierte Säule mit den vier Kerzenarmen auf ihren kleinen, vergoldeten Schultern tragen. Schwerstarbeit bei drei Kilo Silbergewicht. Er wurde in Sterlingsilber gearbeitet, den Manufakturstempel GSU konnte ich leider nicht zuordnen, ich vermute, er stammt aus Amerika Anfang des 20. Jahrhunderts.

2AA8A2936D0E9AE9091CEB34B29D7597Neben dem Historismus, hat sich auch der Jugendstil auf seine eigene, künstlerische Weise, mit Putten beschäftigt. Ich denke hier an die berühmten Putten-Keramikentwürfe von Wilhelm Süss für die Karlsruher Majolika. Aber auch Franz Stuck verewigte auf einem weniger bekannten Bild, einen mächtigen Zentauren, auf dessen Rücken ein geflügelter Putto steht, die Zügel fest in der Hand - wobei wir wieder bei der Kunst wären. Nicht selten vermischte sich der Historismus des 20. Jahrhunderts mit den Stilelementen des Jugendstils. Schönes Beispiel dafür ist die Fußschale, die um 1900 von Theodor Heiden, Münchner Silberdynastie (heute in jetzt 5 Generation) und königlicher Hoflieferant, gearbeitet wurde. Die zwei Putten, die sich um den mit Früchten geschmückten Schaft gruppieren, entsprechen wieder mehr den schlanken Knaben aus der Antike, als dem wohlgenährten Nackedei mit Paustbacken und den Speckröllchen an Armen und Beinen der barocken Zeit. Die Blütengestaltung der neunfach unterteilten Schale in Kombination von Weißsilber und Vergoldung, erinnert jedoch sehr an die Blütendekore des 17. Jahrhunderts.


Blutendekore

Petschaft-JungeWie sehr sich der Putto Anfang des 20. Jahrhundert „verschlankt", weg vom Posaunenengel, hin zur athletischen Jungenfigur, zeigt die kleine Petschaft aus Hanau um 1910/20. Das Siegel ist wie ein Reif gearbeitet, mit dem ein kleiner Junge turnt. Er hat noch den typischen Lockenkopf, die Figur aber ist schlank und durchtrainiert.

Natürlich fanden Putten auch ihren Weg auf die Tafel, als Senf- und Gewürzgefäße, Hulieren oder Serviettenringe und wir sehen sie auf dem Toilettentisch, in Form von aufwändigen Spiegeln, Dosen und Flakons. Ob wir all diese, vor allem im 20. Jahrhundert gefertigten Objekte noch als „Kunst" – Handwerk oder dann doch als Kitsch bewerten, hängt von deren Machart und Qualität ab. Maschinell gefertigt, bedeutet nicht automatisch schlecht, aber es gibt gravierende Unterschiede. Gerade die Putten sollten hübsche oder markante Gesichter haben, die Figur detailgetreu ausgearbeitet sein, Fingen und Füße erkennbar, die Motive nicht flach, sondern erhaben herausgetrieben. Diese Merkmale gelten wahrlich nicht für alle Putten-Objekte, deshalb- genau hinsehen. Im Warenangebot der Silbersuite erfüllen alle  Objekte diese Ansprüche, sogar der einzige versilberte Putto im unserem Putten-Reigen, ein witziger Serviettenring, beweist Qualität.

Als ich dieser Tage mit einer Freundin, die ganz auf der schlichten, modernen Seite des Geschmackes angesiedelt ist, auf dem Weihnachtsmarkt war, staunte ich nicht schlecht, als sie jede Menge Weihnachtschmuck in Form von Engelchen (mit großer Ähnlichkeit zu unseren Putten) kaufte. Na und, lachte sie, ein bisschen Kitsch braucht doch jeder, er ist so menschlich. Wohl wahr, vor allem an Weihnachten.

Raffaels Angels

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Adventszeit und ein frohes und fröhliches Weihnachtsfest.


Ihre

Kerstin Fahrenson-Baaten

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