Silbersuite

Marken, Meister, Techniken

Die Firma Bruckmann Soehne

Silber für die Welt -  die Firma Peter Bruckmann & Söhne

Brükmeen? Brückmeen? Schon seit geraumer Zeit höre ich diesen Ruf durch die Gänge der Antiquitätenmesse hallen. Und er kommt näher. Bis auch bei uns auf dem Stand der Kopf einer ganz entzückenden Japanerin hereinschaut – Brükmeen? Yes, of course! Wir führen Silberobjekte von Bruckmann in unserem Sortiment. Was für eine Freude, was ein Glück. Für beide Seiten. Denn die Dame kann das begehrte Silber in Ihrem Antiquitätengeschäft in Osaka anbieten und wir haben eine Stammkundin gewonnen, die jeden Herbst auf der Messe bei uns Silber von Bruckmann kaufte. Wie hoch das Silber der Firma P. Bruckmann & Söhne aus Heilbronn weltweit geschätzt wird, kann ich auch immer wieder bei einer Auktion erleben, deren charmante Besitzerin, die ihre Stammkunden wohl an der Bieternummer erkennt, bei Online-Ersteigerung Grüße ausspricht: Nach Tel Aviv, nach San Francisco, nach Prag oder Oslo.

„Silber (aus Heilbronn) für die Welt, P. Bruckmann & Söhne 1805 – 1973“ hieß dann auch eine große und großartige Ausstellung, die anlässlich des 150-jährigenTodestages des Firmengründers Georg Peter Bruckmann (2000) im Jahr 2002 im Städtischen Museum Heilbronn, in Zusammenarbeit mit dem Bröhan Museum, Berlin und dem Deutschen Klingenmuseum, Solingen gezeigt wurde und der dazugehörige Katalog, der Sammlern und Händlern viele interessante Informationen und schöne Beispiele liefert.

Georg Peter BruckmannSilber für die Welt – eine Erfolgsstory die 1805 begann, als Georg Peter Bruckmann, Silberschmied und begnadeter Medailleur, eine Fabrik gründete, die Heilbronn über 5 Generationen prägte und die Silber aus Deutschland in alle Welt lieferte.

Georg Peter Bruckmann wurde 1778 geboren. Sein Vater war Silberschmied und führte eine Werkstatt und ein Silber-und Goldwarengeschäft in Heilbronn, Am Markt. Bei seinem Vater erlernte Georg Peter das Handwerk des Gold- und Silberschmiedes, der den Sohn, das Talent und die außergewöhnliche Begabung erkennend, zur weiteren Ausbildung zu den besten europäischen Adressen schickte. An der Kunstakademie Wien studiert er Zeichnen und Entwurf, an der Academie Julian in Paris erhielt er die Ausbildung zum Gravieren von Metall, Entwürfe in Stahl zu schneiden und dreidimensional in Form zu bringen. Eine Fähigkeit, die entscheidend zum späteren Erfolg der Firma beitrug. Und schließlich Genf, schon damals Mittelpunkt der Schweizer Schmuckindustrie, wo er das Bijouterie-Handwerk erlernte und seine Fähigkeiten als Silberschmied vervollkommnete.

Zurück in Heilbronn übernahm er 1805, erst 27jährig, das Geschäft des Vaters und gründete zusammen mit Karl Seeger, ebenfalls ein Silberschmied aus Heilbronn, die Firma P. Bruckmann & Seeger.

1810 verwirklichte Georg Peter Bruckmann eine geniale Idee, die sicher auf seiner Ausbildungszeit in Paris basierte. Die französische Metropole war zu dieser Zeit das Zentrum zur Herstellung von geprägten Metallelementen im Empirestil, die von Silberschmieden aus ganz Europa bezogen und zu Zierelementen weiterverarbeitet wurden. Bruckmann schnitt und gravierte eigene Stahlstempel und Prägestöcke, eine Arbeit, die neben künstlerischem und handwerklichem Talent, vor allem genaue Kenntnisse im Umgang mit dem zu verarbeiteten Stahl voraussetzte. Das Härten nach der Gravur war eine Wissenschaft für sich und jede Unachtsamkeit, konnte die Mühe von Wochen zunichte machen. Dann prägte er selber die Zierteile und Applikationen in Silber (und Messing) auf einer Handpresse, die dann – fix und fertig - auf handgearbeitete Gegenstände aufgelötet werden konnten. Ein Vorteil für seine eigene Silberproduktion, aber auch eine lukrative Geschäftsidee. Mit Musterkarten – und ganzen Katalogen vertrieb er diese Silberelemente an andere Silberschmiede, die keine eigenen, teuren Pressen besaßen. Bei der Kunst – und Industrie-Ausstellung 1824 in Stuttgart präsentiert die Firma 18 Musterkarten von mehreren hundert geprägten Ornamenten.

Praegungen

Ornamente
Ornamente-Beispiele der Firma Bruckmann von 1814/1815


Plaketten

Links ein Paar Leuchter um 1820 aus Weißenfels, recht eine Jardiniere von der Firma Bruckmann & Söhne
um 1900. Beide mit Plaketten mit mythologischen Darstellungen verziert.


Teekanne Empire

Fries

Oben ein Zierelement im Empirestil auf einer Teekanne,
unten Traubenbordüren- und Rebengirlanden nach antikem Vorbild für ein Mokkaservice mit Tablett.


Nicht nur Friese, Bordüren, Plaketten und sonstige Zierelemente wurden vorgefertigt, sondern auch Deckelbekrönungen, Henkel, Füße und Tüllen, die die hangearbeiteten Objekten der jeweiligen Silberschmiede ergänzten.So finden wir immer wieder Gegenstände aus verschiedenen Zeiten (die Senfgefäße wurden um 1820, 1830 und 1890 gefertigt) und Provenienzen, die identische Zierelemente aufweisen – höchstwahrscheinlich bestellt bei Bruckmann in Heilbronn.

Senfgefaesse BruckmannverzierungenDie Senfgefäße 1 bis 3 zeigen als Füße die gleichen Schwanfiguren,
Senfgefäß 3 und 4 den identischen Pferdekopfhenkel mit der Rosette.


Nach dem Tod von Karl Seeger 1814, wird die Firma in P. Bruckmann & Comp. umbenannt. Die zunehmende Kundenzahl, die expandierende Firma, fordern Georg Peter Bruckmann zunehmend als Leiter und Vertreter nach außen und beschränken seine eigenen Arbeiten als Stahlgraveur, Medailleur und Entwerfer im Atelier. 1817 gewinnt er Konrad Weitbrecht, einen jungen, begabten Künstler als Mitarbeiter, der dem Atelier Bruckmann viele wunderbare Entwürfe liefert. Weitere talentierte Künstler, die als Stahlgraveure und Modelleure arbeiteten, sollten folgen. Um die künstlerischen, sowie handwerklichen Standards in allen betrieblichen Bereichen zu garantieren, gründete Georg Peter Bruckmann eigene Schulen und Ausbildungsstätten. Von der 1830 eingeführten Sonntagsschule zur Weiterbildung seiner Facharbeiter über die 1842 gegründete Zeichen und Modellierschule bis hin zur berühmten eigenen Fachschule der Firma Bruckmann um die Jahrhundertwende, die sowohl betriebsinterne als auch auswärtige Künstler ausbildete.

Die Fabrik

1850 stirbt der Firmengründer, die Manufaktur wird unter dem Namen P. Bruckmann & Söhne von seiner Witwe weitergeführt bis der Sohn Ernst Dietrich Bruckmann, aus Amerika zurückgekehrt, ein Jahr später die Leitung übernimmt.1862 kommt nach dem Tod der Mutter der 2. Sohn Wolfgang August Peter dazu. 1886 geht die Firma P. Bruckmann in die 3. Generation mit dem Sohn von Ernst Dietrich, Peter Bruckmann II., der nach seinem Studium in der Kunstgewerbeschule München die Leitung des Ateliers übernimmt. Sein Bruder Ernst kümmert sich um Vertrieb und Export. Unter der Unternehmergeneration Peter und Ernst Bruckmann erlebt die Fabrik ihre große Blüte. 1889 zieht die Firma in ein großes Werkgebäude am Stadtrand, inklusive einer Dampfmaschine mit 150 PS, mit 600 Arbeitern, 50 Angestellten und einem Jahresumsatz von 3 Millionen Mark. Für Peter Bruckmann jr. arbeiten Anfang des 20. Jahrhunderts die besten und renommiertesten Künstler und Entwerfer ihrer Zeit: Josef Hoffmann, Otto Prutscher, Adolf Amberg, Hugo Cauer, Karl Groß, Friedrich Adler, Michael Lock, Paula Straus, Hans Christiansen, um nur einige zu nennen – außergewöhnliche Objekte entstehen, Unikate und Serien.

Eines dieser ganz besonderen Objekte ist das Tee- und Kaffeeservice von Hans Christiansen, das ich hier als Kaffeeservice mit Tablett präsentieren kann.

Kaffeeservice Hans Christiansen Magazin

Das Silberservice wurde 1901 von Hans Christiansen, herausragende Künstlerpersönlichkeit des Jugendstils, Maler, Grafiker und Entwerfer, gestaltet und 1902 mit der Modelnummer 8070 von P. Bruckmann & Söhne gefertigt. Laut Vorbesitzer befand sich dieses Ensemble seit 1902 im Familienbesitz. Bis 2016 galt dieses Service als einzig bekanntes Exemplar - bis ein zweites in einem Wiener Auktionshaus versteigert wurde. Zu dem historisch bedeutenden Service gibt es ein ausführliches Gutachten des Kunst-und Kulturwissenschaftlers Dr. Reinhard W. Sänger. Im gleichen Dekor entwarf der Künstler-. übrigens das berühmte „Darmstädter Besteck“, das ebenfalls bei Bruckmann & Söhne produziert wurde.

Christianen Besteck Darmstadt

Beispiele Bestecke Bruckmann

Weitere Beispiele für Entwerfer-Bestecke, von Bruckmann & Söhne produziert.
Links: Eisbesteck „Wagner-Serie“, Entwurf Adolf Amberg, Mitte: Besteck Nr. 5401, Entwurf Karl Groß,
rechts: Märchenbesteck, Entwurf Hugo Cauer (zu finden im Warenangebot).


Peter Bruckman jrGeprägt durch die inspirierende Zusammenarbeit mit diesen Ausnahmekünstlern, die für Kunst, Gestaltung und Design einen völlig neuen, modernen Blickwinkel brachten, wurde Peter Bruckmann 1907 Mitbegründer des Deutschen Werkbundes. 11 weitere Unternehmer und 12 Künstler darunter die berühmten Namen Peter Behrens, Josef Hoffmann, Richard Riemerschmid, Joseph Maria Olbrich, Bruno Paul und weitere, riefen diese „wirtschaftskulturelle Vereinigung von Künstlern, Architekten, Unternehmern und Sachverständigen“ ins Leben. Zitat: „Der Zweck des Bundes ist die Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk“. Es war d e r Aufbruch in die Moderne, ein Protest gegen Historismus, industrielle Massenware, seelenlose Produkte, losgelöst vom Schaffenden, ein Aufruf zur künstlerischen und sozialen Erneuerung. Dieser Anspruch spiegelt sich in den Jugendstil- und Art Déco Modellen wieder, die in kleiner Auflage, teils sogar als einmalige Sonderanfertigung bis Kriegsanfang, von Künstlern entworfen und von Bruckmann gefertigt wurden. Auch den eigenen Atelierentwürfen, die in größere Produktionen gingen, sieht man in diesen Jahren die innovatien Ideen, das sorgfältige Design der klassischen Moderne an. Es waren goldene Zeiten für die Firma P. Bruckmann & Söhne. Sie wird mit vielen Preisen versehen und Auszeichnungen geehrt. Auch bei den wichtigen Weltausstellungen in London, Paris, Turin, St. Louis, Barcelona, etc gingen Goldmedaillen an das Silber von Bruckmann & Söhne.



 



 

Besondere Objekte                                                     Von links nach rechts: Likörkaraffe, Entwurf Adolph Amberg 1895, Brosche, Entwurf Fritz Schmoll 1920
                                                                      Weinkanne, Entwurf Friedrich Adler 1903, Dose Entwurf Erna Zarges-Dürr 1927


Zum 100-jährgen Firmenjubiläum 1905 wird Peter Bruckmann II zum Württembergischen Hofrat ernannt. In diesen letzten 100 Jahren hat die Firma Bruckmann 500.000 Kilo Feinsilber im Wert von 50 Millionen Mark verarbeitet.

1937 stirbt Peter Bruckmann II. Sein Sohn Dietrich Bruckmann übernimmt die Leitung, Fritz Schober, seit 1906 Prokurist der Firma, wird Teilhaber.

Schon im 1. Weltkrieg produzierte Bruckmann Rüstungsgüter, die er anhand seiner maschinellen Ausrüstung- Pressen, Dampfmaschinen etc.- fertigen konnte. 1914 waren es Zünder, 1939 mit Kriegsbeginn, Tarnscheinwerfer. 1944/45 wird das Fabrikgebäude in Heilbronn völlig zerstört. In den Zweigwerken hält man sich mit der Fertigung  von Aluminiumbestecken, Küchengeräten, Schrauben, Bettgestellen und Feuerzeugen über Wasser. Der Aufbau beginnt 1946 mit Aufträgen der Besatzungsmacht – Reparaturen, Maschinenersatzteile, etc. Die „Normalität“. kehrt zurück. Dietrich Bruckmann gelingt der Anschuss an die von Kriegszerstörung verschonte Konkurrenz. Für diese Aufbauleistung erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz. Aber die Zeiten und mit ihr der Geschmack änderten sich. Edelstahlbestecke werden salonfähig, Kunststoff ist Kunden oft interessanter als Silber. Highlight und Erfolg in den 60er Jahres sind noch einmal die Entwürfe und Designobjekte der Produktionen „Neue Form“. Viele Stücke werden in den 50er und 6oer Jahren jedoch nur noch in Neusilber, also versilbert, produziert. Der Ruhm, der Glanz vergangener Zeiten lässt sich nicht zurückholen.

1966 fusioniert Bruckmann mit der niederländischen Besteckfabrik N.V. Gerofabriek. 1969 verlässt Dr. Peter Bruckmann, als letztes Familienmitglied die Firma,1973 wird das Konkursverfahren eingeleitet.

Die berühmte Silberfabrik  Peter Bruckmann & Söhne ist Geschichte.

Das Meisterzeichen von Bruckmann ist der Adler, mal mit mal ohne die Zusatzbezeichnung Bruckmann. Von Zeit zu Zeit etwas modifiziert, auf Korpusware etwas anders als auf Bestecken, aber immer unverwechselbar – der „Bruckmann-Adler“. Bruckmann lieferte seine Silberwaren im In- und Ausland an Juweliergeschäfte und Luxuskaufhäuser. Die Stammkunden bekamen auf Wunsch ihren Firmennamen auf die Objekte gestempelt - als Verkäuferstempel. Neben der Silbergarantiemarke steht immer, wenn auch manchmal ganz klein, die Marke mit dem Adler, als Meistermarke des Herstellers Bruckmann. Die Korpus-Modelle tragen zudem Produktionsnummern, mit denen man die Objekte sehr genau einem Entstehungsjahr zuordnen kann, sofern man Zugang zu der Konkordanz der Kalkulationsbücher der Firma Bruckmann hat. Diese ist, die Sammler und Händler freut es sehr, im Ausstellungkatalog abgedruckt. So ist die Herstellung zu den Bruckmann-Objekten, die Sie in der Silbersuite angeboten bekommen keine circa Zeit, sondern das genaue Jahr. Die Produktionsnummern fangen mit 5000 1888 an und enden mit 14285 im Jahr 1968, als letzter Eintrag im Kalkulationsbuch. Die Designstücke der Produktion „Neue Form“ tragen separate Nummern. Hier ein paar Beispiele der Stempelungen, links eine Zusammenfassung aus dem Katalog, rechts, Originalstempel auf Silberobjekten aus dem Warenangebot der Silbersuite, zweimal mit Verkäuferstempel.

Bruckman MZGestempelte Marken

Katalog BruckmannWer jetzt noch mehr über die deutsche Silberfabrik, die die Welt eroberte, erfahren möchte, sei der reich bebilderte und mit interessanten Artikeln bestückte Buchkatalog „Silber für die Welt – P. Bruckman & Söhne 1805 – 1973“ empfohlen.

Antiquarisch erhältlich zum Beispiel über TVAB.com

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